Wie demokratisch war Konrad Adenauer? Konrad Adenauer prägte als Gründungskanzler und hochverehrter Staatsmann eine ganze Epoche. Zur eigenen Machtsicherung hebelte der CDU-Chef dabei allerdings die von ihm selbst mitgestalteten demokratischen Spielregeln des Grundgesetzes aus: Über Jahre hinweg profitierte er heimlich von der gesetzwidrigen Ausforschung der SPD-Führung durch den Auslandsnachrichtendienst, die sein Kanzleramtschef Hans Globke und der BND-Präsident Reinhard Gehlen eingefädelt hatten. Der Historiker Klaus-Dietmar Henke beschreibt dieses größte Demokratieverbrechen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland auf der Grundlage erstmals ausgewerteter Unterlagen des BND sowie Hunderter Geheimberichte in den Archiven der CDU.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2023
Rezensents Peter Sturm beschränkt sich in seiner Besprechung des Buchs Klaus-Dietmar Henkes weitgehend auf eine Rekonstruktion des Spionagefalls, dem dieses gewidmet ist. Konrad Adenauer hatte in den Fünfzigerjahren, erfahren wir, mithilfe des ehrgeizigen Staatssekretärs Hans Globke sowie zweier SPD-Mitarbeiter die SPD ausspionieren lassen, um sich politische Vorteile zu verschaffen. Nachvollziehbar findet Sturm Henkes Einordnung dieses Vorfalls als "Demokratieverbrechen", wobei er darauf verweist, dass Adenauers Politik populär war, weshalb die Spitzelei vermutlich keinen großen Unterschied im historischen Verlauf gemacht hat. Ein wichtiges Buch hat Henke vor allem insofern geschrieben, heißt es weiter, als es Aufschlüsse über die Mentalität der Gesellschaft in den Fünfzigern gibt. Tatsächlich wäre die Spionage möglicherweise gar nicht groß skandalisiert worden, wäre sie damals aufgeflogen, spekuliert Sturm im Anschluss an Henke.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.10.2023
Rezensent Constantin Goschler zeichnet entlang des Buchs Klaus-Dietmar Henkes einen Skandal nach, der seinerzeit nicht an die Öffentlichkeit gelangte: Konrad Adenauer lies in den 1950ern und 1960er Jahre lang mithilfe des Auslandsnachrichtendiensts die Führungsriege der SPD ausspionieren. Quelle der Informationen war, erfahren wir, Siegfried Ortloff, der beim SPD-Parteivorstand als Sicherheitschef arbeitete und großzügig Informationen lieferte, die Adenauer strategisch im Kampf gegen seinen politischen Gegner einsetzen konnte. Henke zeichnet, so Goschler, die Interessen aller Beteiligten nach und außerdem eine Geschichte der SPD, die sich von einer marxistisch geprägten Kaderpartei zur Volkspartei wandelt und mit Willy Brandt einen neuen Starpolitiker hervorbringt. Aber war das, wie der Titel des Buchs behauptet, ein deutsches Watergate? Nein, meint Goschler. Und zwar, führt er aus, weil die Abhöraktion nicht an die Öffentlichkeit gelangte und Adenauer wohl auch dann nicht geschadet hätte, wenn dies doch passiert wäre. Insofern verweist der ausgebliebene Skandal für Goschler auf eine noch nicht allzu gefestigte demokratische Kultur.
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