In der Nacht vom 4. auf den 5. Juni 1974 fanden amerikanische Soldaten im Berliner Grunewald einen sterbenden jungen Mann. Es war der 22-jährige Ulrich Schmücker, der zum Umfeld der terroristischen "Bewegung 2. Juni" gehörte und von Mitgliedern eines Kommandos "Schwarzer Juni" als "Verräter" erschossen wurde - der erste Fememord in der Geschichte der Bundesrepublik. Stefan Aust zeigt, dass der Verfassungsschutz damals massiv in die Ermittlungen eingriff, um seine eigene Verwicklung in das Geschehen zu vertuschen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 09.05.2003
Das Bild des Studenten und Polizeispitzels Ulrich Schmücker ist Elke Schubert zufolge in der Öffentlichkeit bis heute genauso diffus geblieben wie für die Beteiligten der Ereignisse, die zu Schmückers Ermordung im Jahr 1974 führten: sowohl die Mitglieder der "Bewegung 2. Juni" als auch der Verfassungsschutz sahen in ihm nur den Verräter - die einen richteten ihn hin, die anderen nahmen seinen Tod in Kauf. Der anschließende Marathon-Prozess war, so Schubert, eine skandalöse Farce, nach der allerdings heute kein Hahn mehr krähen würde, wenn nicht Stefan Aust so hartnäckig an dem Thema festhielte - zurecht, wie sie findet. Im Vergleich zu seinem ersten Buch über den Fall Schmücker, weiß die Rezensentin, standen Aust nun viel mehr Unterlagen zur Verfügung, die aus den vergessenen Ereignissen eine erstaunliche aktuelle Geschichte "rechtsstaatlicher" Vertuschung machen - man denke an die Skandale um die V-Männer in der rechten Szene.
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