Richard Powers

Das große Spiel

Roman
Cover: Das große Spiel
Penguin Verlag, München 2024
ISBN 9783328603719
Gebunden, 512 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Eva Bonné. Eine Insel. Vier Suchende. Verbunden durch das vielleicht letzte große Abenteuer der Menschheit. Auf Makatea, einst ein vergessener Fleck im endlos blauen Pazifik, soll die Gesellschaft der Zukunft entstehen. Über Umwege und Gezeiten finden auf der Insel vier Menschen zusammen, deren Schicksale nachhaltig mit dem des Planeten verknüpft sind: Evelyne Beaulieu, die in den Tiefen des Ozeans taucht, um das geheimnisvolle Spiel der Riesenmanta zu entziffern. Ina Aroita, die die paradiesischen Strände nach Materialien für ihre Skulpturen abwandert - doch schon lange schwemmt das Meer nur noch Plastikmüll an. Und der verträumte Büchernarr Rafi Young und der visionäre Computernerd Todd Keane, deren Freundschaft an dem kühnen Versuch zu zerbrechen droht, eine neue Welt zu erschaffen, um sich vor dem Untergang der jetzigen zu retten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.11.2024

Anerkennend bespricht Rezensentin Petra Pluwatsch Richard Powers Roman über einen superreichen Gründer einer Social-Media-Plattform, der von den Halluzinationen einer seltenen Form der Demenz an seinen Kindheitstraum erinnert wird: Ozeanograf wollte er werden, und Teile des Romans spielen auf der Pazifikinsel Makatea, auf der er einen alten Jugendfreund wiedertrifft und wo die Meeresforscherin beheimatet ist, die ihm damals Idol war. Spannend findet Pluwatsch an diesem "vielschichtigen" Roman mit zahlreichen Schauplätzen vor allem Powers' scharfe Kritik an der Social-Media-Welt und ihrer Hass-Kultur; wie der Protagonist naiv an die Neutralität seiner Plattform und an die Meinungsfreiheit ihrer Nutzer glaubt, findet die Kritikerin klug geschrieben. Auch der Gegenpart des Jugendfreunds, aufgewachsen in deutlich schlechteren Verhältnissen, funktioniert als Konstruktion sehr gut, vermittelt sie. Und schließlich komplettieren den Roman die Schilderungen von Tauchgängen, für Pluwatsch die "wohl schönsten Passagen" des Buchs.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.10.2024

Ehrfürchtig bespricht Rezensent Tobias Haberl Richard Powers' neues Buch, einen Roman, in dem es schlichtweg um alles geht. Um die großen Fragen der Menschheit von Feminismus bis Plattformkapitalismus, aber auch um vier Figuren, deren Schicksale miteinander verbunden sind, darunter, zählt Haberl auf, ein Milliardär namens Todd Keane und eine Biologin namens Evelyne Beaulieu. Außerdem geht es, lesen wir weiter, um eine kleine Insel im Pazifik, die von staatsmüden Risikokapitalisten übernommen werden soll, sowie um das Meer, insbesondere die Tiefsee. Die ist, stellt Haberl klar, der heimliche Star des Romans, hier begegnen wir allerlei exotischen Fischen und erforschen gemeinsam mit Beaulieu die Ursuppe des Lebens. Der Rezensent fühlt sich bisweilen an Melville und Emerson erinnert angesichts Powers' Naturbeschreibungen, nur sehr gelegentlich stößt er auf allzu moralisch daher kommende Passagen. Insgesamt ist das aber, stellt Haberl abschließend klar, ein großartiges Buch voller komplexer Figuren, ein Buch, das vorführt, wie der Mensch angesichts der Größe der Natur bescheiden wird.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.10.2024

Richard Powers lebt abgeschieden in den Great Smoky Mountains - und Rezensent Volker Weidermann hat es sich nicht nehmen lassen, Powers dort drei Tage lang zu besuchen, mit ihm zu wandern und zu baden, wie er uns in einem epischen Porträt berichtet. Anlass ist Powers' neuer Roman, ein "modernes Epos" und laut Weidermann "die Summe all seiner Bücher". Superlativisch geht es weiter: Der Amerikaner ist für den Rezensenten definitiv ein Literaturnobelpreis-Kandidat, ein später Thomas Mann gar, der den "hellen Zauber" in die Welt trägt. Der Roman selbst führt uns auf die von der Zivilisation abgeschnittene Südsee-Insel Makatea, von hier aus soll eine neue Milliardärsinsel jenseits aller Weltkatastrophen geplant werden. Hauptfiguren sind der schwarze Junge Rafi und das weiße Computergenie Todd, ein Bücher- und ein Computer-Nerd, deren Freundschaft wir Jahrzehnte lang begleiten. Todd entwirft eine ganz neue virtuelle Welt, auch die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz spielt eine große Rolle, erklärt der Kritiker. Aber: Die KI ist hier eine gute Kraft. Mehr verrät der Rezensent nicht über den Roman, den er aber als "wissenschaftsbasiertes Sehnsuchtsbuch" wärmstens empfiehlt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 04.10.2024

Dieses Buch und sein Autor verdienen es, Beststeller zu werden, findet Rezensent Joachim Scholl. So atemberaubend schön, zugleich so spannend, so berührend und im konstruktiven Sinne beunruhigend können nur wenige über den Ozean und seine Artenvielfalt schreiben, sowie über die Gefahr, in der diese Vielfalt schwebt. "Das große Spiel" ist zwar vordergründig eine packende Geschichte über Freundschaft, Konflikte, finanziellen Erfolg, Innovation und über digitale Technologien. Der eigentliche Mittelpunkt der Geschichte jedoch ist nicht das superreiche, alternde Computer-Genie, nicht der Lehrer Rafi Young und seine Frau, die Künstlerin Ina, die auf der der Koralleninsel Makatea leben, und auch nicht die Meeresforscherin Evelyne Beaulieu, über die wir allerhand erstaunliche, wundersame Fakten über das Meer vermittelt bekommen, sondern der Ozean selbst, so Scholl. Von ihm gilt es zu erzählen, ihn gilt es zu retten. Ob die Technologien derer, die ihn zerstören, dafür das richtige Mittel sind, diskutiert Powers, ohne abschließende, allzu einfache Antworten zu geben, so der beeindruckte und bewegte Rezensent.

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