Simon Sahner, Daniel Stähr

Die Sprache des Kapitalismus

Cover: Die Sprache des Kapitalismus
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2024
ISBN 9783103975932
Gebunden, 304 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Preise steigen nicht von alleine. Es gibt jemanden, der sie erhöht. Das zu verstehen, ist entscheidend, denn auch im Kapitalismus schafft Sprache Realitäten. Wenn Ökonomen, Unternehmen und die Politik Finanzkrisen als Tsunamis und Stürme bezeichnen, suggerieren sie ihre und unsere Machtlosigkeit. Es gibt aber Akteure im kapitalistischen System und es gibt Möglichkeiten, anders über Geld und Wirtschaft zu sprechen und anders davon zu erzählen.Der Kulturwissenschaftler Simon Sahner und der Ökonom Daniel Stähr verbinden ihre Expertisen, um der Sprache des Kapitalismus und seinen (Selbst-)Erzählungen auf den Grund zu gehen: Was steckt hinter Begriffen wie "Rettungsschirm", "Gratismentalität" und "too big to fail"? Wie können wir neue Narrative schaffen, um uns aus der scheinbaren kapitalistischen Alternativlosigkeit zu befreien und Veränderungsmöglichkeiten aufzuzeigen?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.07.2024

Rezensent Werner Plumpe kann dem Buch von Simon Sahner und Daniel Stähr nichts abgewinnen. Die Verfasser behaupten die Existenz einer mächtigen Sprache des Kapitalismus, von der wir uns befreien sollen, um alternativen Lebens- und Wirtschaftsweisen die Tür zu öffnen, die es laut Plumpe schlicht nicht gibt. Was die Autoren an Phrasen und Jargon aus der Rede von Politikern und Interessenvertretern herausdestillieren, findet Plumpe nicht uninteressant, doch all dies als unser Denken beherrschende Sprache des Kapitalismus zu kennzeichnen, findet er "forsch" und leicht zu widerlegen. Sprachkritische Aspekte hingegen behandeln die Autoren gar nicht, stellt Plumpe enttäuscht fest.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.04.2024

Rezensent Helmut Mauró macht eine Reihe von Einwänden gegen Simon Sahners und Daniel Stährs Buch über Sprache und Kapitalismus geltend. Dessen Ausgangsthese, dass sprachliche Formeln wie etwa die "Technologieoffenheit" oder "Growing Green" die kapitalistischen Mechanismen hinter vermeintlich ökologischer Politik verschleiern, ist durchaus nachvollziehbar, meint Mauró. Wenn die Autoren allerdings behaupten, dass wissenschaftliche Innovationen menschheitshistorisch fast stets Regierungs- und nicht Markthandeln entspringen, meldet der Rezensent mit Blick etwa auf Galilei Zweifel an. Das größere Problem besteht laut Mauró freilich darin, dass Sahner und Stähr Sprache nicht beschreiben, sondern verändern wollen - und dabei die Sympathien ihrer Leser für ihr klar links kodiertes Projekt bereits voraussetzen. Selbst wer grundsätzlich ähnlicher Meinung ist wie Sahner und Stähr fühlt sich bei der Lektüre von der ideologischen Argumentation gegängelt, schließt der Rezensent.

Beliebte Bücher

Juli Zeh. Pony Show - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Juli Zeh: Pony Show
Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet…
Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Botho Strauß. Bleiben und Blicken. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Botho Strauß: Bleiben und Blicken
In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…