Selva Almada

Sengender Wind

Roman
Cover: Sengender Wind
Berenberg Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783946334040
Gebunden, 144 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Christian Hansen. Weit, trocken und öde ist die Pampa. Wer mit dem Auto liegen bleibt, für den ist guter Rat teuer. Auch für Menschen mit direktem Draht zu Gott, wie den Prediger samt schlecht gelaunter Tochter und übler Familiengeschichte, dessen klappriger Wagen hier den Geist aufgibt. Zum Glück auf dem Schrottplatz eines alten Gringo, der im Verlauf eines Tages und einer Nacht nicht nur das Auto repariert, sondern, umtost von einem nächtlichen Wirbelsturm, mit seinem ungebetenen Gast einen denkwürdigen Zweikampf austrägt, während sich zwischen seinem schweigsamen, kaum geschlechtsreifen Sohn und der Tochter des Gottesmannes ganz andere Beziehungen anbahnen. Ein Roman aus Argentinien - klar und nüchtern wie die Gegend, in der er spielt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.05.2016

In Selva Almadas Roman "Sengender Wind" treffen zwei Väter inmitten der argentinischen Wüste aufeinander, die sich ihren Kindern nur ungeschickt und vermittelt durch ihre Profession nähern können, erzählt Rezensentin Sonja Stöhr. Der eine von ihnen, Reverend Pearson, ist Wanderprediger und möchte Tapioca, den gutgläubigen Sohn des Mechanikers Gringo Bauer, zu einer Priesterlaufbahn überreden. Gringo Bauer dagegen hat für Religion nichts übrig. Während beide Männer um die Laufbahn und das Seelenheil des Jungen buhlen, hat Elena, die Tochter des Reverends, für den Glauben ihres Vaters nur Verachtung übrig. Stöhr entwickelt kein Urteil zu dem Roman, doch liefert er ihr einen "Schnappschuss" auf einen kargen, unbekannten Landstrich Argentiniens. Das muss man wohl als karges Lob verbuchen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2016

Rezensent Christian Metz ist beeindruckt von der Präzision und der Konzentration von Selva Almadas schmalem Debütroman. Auf gerade mal 128 Seiten bietet ihm die Autorin ein bildlich prägnantes, sprachlich klares Kammerspiel zwischen vier Personen in der argentinischen Einöde. Die Poetik der fruchtbaren Verknappung beherrscht Almada, versichert der Rezensent und erklärt, dass Reduktion nur funktioniert, wenn für den Leser Leerstellen entstehen, die er füllen kann. Bei Almada klappt das laut Metz vorbildlich. So werden die geschilderte Autopanne und der Werkstattbesuch für Metz zu einem Füllhorn der Gedanken und Gefühle der Figuren, das die Autorin mit Erinnerungsszenen in Gang setzt. Als kühle philosophische Reflexion über Pannen und Reparaturen im wörtlichen wie im übertragenden Sinn überzeugt ihn der Text.
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