Maria Sonia Cristoff

Patagonische Gespenster

Reportagen vom Ende der Welt
Cover: Patagonische Gespenster
Berenberg Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783937834405
Gebunden, 280 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Wer Patagonien kennenlernen möchte, für den ist dieses Buch ein perfekter Schlüssel - auch wenn er das Land durch einen Nebeneingang betritt. Maria Sonia Cristoff ist mehrere Jahre in eine Gegend gefahren, die seit Bruce Chatwin berühmt ist, aber immer noch am Ende der Welt liegt: Patagonien. Ein Teil dieser Region erlebte vor Jahren einen Ölboom, der längst vorbei ist. Die Überreste gibt es noch. Ihre Bewohner träumen von einer besseren Vergangenheit, einige sind weggegangen, andere wiedergekommen, angeheiratet, freiwillig oder weil sie das Leben an diese gottverlassenen Orte verschlug, wo einst ein großer Teil der argentinischen Immigranten, vor allem arabischer und bulgarischer Herkunft, an Land gingen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2010

Die Reportagen der argentinischen Literaturwissenschaftlerin Maria Sonia Cristoff lassen sich getrost als Anti-Chatwin lesen und sind dazu angetan, das touristisch verklärte Patagonienbild zu entmystifizieren, resümiert Stefan Fischer. Die Entlegenheit und Weite dieses südlichsten Teils Amerikas fallen immer wieder, seit neunzig Jahren, von Generation zu Generation, auf gespenstische Weise auf die Bewohner zurück. Sie hinterlassen Isolation, Armut, Alkoholismus, Antriebslosigkeit und Sprachlosigkeit. Obwohl die Reise durch die alte Heimat für die Autorin eine frustrierende und albtraumhafte Erfahrung gewesen sein muss, stellt sich Cristoff nicht "über die Menschen, unter denen sie selbst einmal zu Hause war", sondern beschreibt "nüchtern, aber nicht teilnahmslos", so der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2010

Auch Bruce Chatwin und Paul Theroux haben schon über Patagonien, mein Rezensent Karl-Markus Gauß, aber Maria Sonia Cristoff ist diesen Autoren in einem Punkt absolut überlegen: Sie ist hier aufgewachsen. Cristoff kennt das land wie ihre Westentasche, ihr Vater spielte hier schon als Kind bulgarischer Einwandererclans, und zwar mit den Kindern walisischer Einwanderer, dass in dem Land eigentlich Spanisch gesprochen wurde, lernte er erst in der Schule. Viel hat der Rezensent aus diesen Reportagen gelernt, nämlich dass sich in Patagonien die Menschen nicht gegenseitig im Weg stehen, und dass Angriffe auf Einwanderer immer auch als Angriffe auf das Selbstverständnis der Nation angesehen werden. Und dass es hier, fast am Ende der Welt, noch die offene Psychiatrie gibt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2010

Für Rezensent Tilman Spreckelsen geht es im Buch der argentinischen Autorin Maria Sonia Cristoff auch ums Reisen ganz allgemein. Dass Reisen sich wundern heißt, macht ihm die Autorin in ihren "leisen" Reportagen aus einem noch wenig bekannten Patagonien klar, indem sie weder allzu sensationsheischend noch allzu diskret dokumentiert, was die Leute ihr erzählen - über Menschenfresser und Träume vom Fliegen etwa. Berichte, die Cristoff laut Spreckelsen mit eigenen Assoziationen anreichert, immer wieder erstaunt über das Erzählte, "auf Augenhöhe" mit ihren Gesprächspartnern.