Scott Anderson

Zerbrochene Länder

Wie die arabische Welt aus den Fugen geriet
Cover: Zerbrochene Länder
Suhrkamp Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783518073322
Gebunden, 264 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Laura Su Bischoff. "Manchmal fließt die Geschichte der Menschheit bedächtig vor sich hin, manchmal bewegt sie sich sehr schnell." Diesen Satz formulierte Muammar al-Gaddafi 2002 gegenüber Scott Anderson. Tatsächlich hat sich die Geschichte im Nahen Osten überschlagen, seit die USA 2003 im Irak einmarschiert sind: 2011 weckte der Arabische Frühling Hoffnungen, doch bald versanken Länder wie Syrien und der Irak im Chaos, von dem wiederum der Islamische Staat profitierte. Millionen Menschen flohen aus Syrien in Nachbarstaaten und nach Europa. Anhand der Erlebnisse von sechs Menschen schildert Anderson die Geschichte einer zerbrechenden Region. Er begleitet den jungen Iraker Wakaz, der sich vorübergehend dem IS anschließt, Laila, die Witwe eines prominenten ägyptischen Menschenrechtsanwalts, deren Sohn innerhalb kurzer Zeit von drei Regimes inhaftiert wird, und Majd, den seine Flucht von Homs über das Mittelmeer bis nach Dresden führt. Illustriert wird Andersons Großreportage mit Aufnahmen des renommierten Fotografen Paolo Pellegrin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.11.2017

Wolfgang Freund lernt aus Scott Andersons Versuch, die arabische Welt zu verstehen, vor allem eines: Die Entschärfung dieses geopolitischen Pulverfasses wird noch lange dauern. Die Ursachen der Misere kann ihm der Autor anhand von sechs Lebensgeschichten nahebringen, laut Freund ein gewöhnungsbedürftiger, allerdings durchaus effektiver hollywoodesker Ansatz, der die Story am Laufen hält, meint er. Ein Inhaltsverzeichnis hätte Freund die Lektüre der ursprünglich im New York Times Magazine erschienenen Texte deutlich erleichtert, wie er auch noch bemerkt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.11.2017

Rezensentin Andrea Böhm ist glücklich, dass Scott Andersons für das New York Times Magazine verfasste Reportage über die Krise im Nahen Osten nun auch in erweiterter Buchform auf Deutsch vorliegt. Denn der Journalist, den die Kritikerin nicht nur als versierten Kenner der Region, sondern auch als brillanten Schreiber schätzt, lässt sie hier anhand der Schicksale von zwei Frauen und vier Männern aus Ägypten, Libyen, Syrien und dem Irak an den Unruhen im Nahen Osten teilhaben, zeigt dabei, ganz ohne abzurechnen, wie der europäische Umgang mit Afrika und dem Nahen Osten immer noch von Verdrängung geprägt ist und skizziert ein bemerkenswertes Bild der Epochen und Länder, lobt Böhm. Allein wie Anderson in seinen Gesprächen mit zwanzig inhaftierten IS-Kämpfern jene erstaunlich nüchtern und ohne Verharmlosung "entdämonisiert", ringt der Kritikerin größte Anerkennung ab. Überhaupt staunt sie über das vielschichtige und detailreiche Bild, das der amerikanische Reporter in leisen Tönen von der Region zeichnet.