Sayed Kashua

Da ward es Morgen

Roman
Cover: Da ward es Morgen
Berlin Verlag, Berlin 2005
ISBN 9783827005731
Gebunden, 302 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler. Ein junger Journalist kehrt in sein arabisches Heimatdorf zurück, unweit von Jerusalem. Schon immer hat man hier isoliert gelebt, schon immer hat man sich inmitten der jüdischen Bevölkerung als Außenseiter gefühlt. Nun aber umstellen israelische Panzer das Dorf, und die Bewohner werden unter Arrest gestellt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.07.2005

Der Autor ist ein junger aabischer Israeli und hat seinen nun zweiten Roman auf Hebräisch für die israelische Öffentlichkeit geschrieben, berichtet Rezensentin Sabine Peters, zumal das in jeder Richtung kritische Buch kaum Aussichten hätte, durch eine arabische Zensur zu gelangen. Als "faktenreiche Fiktion" beschreibt Peters die Handlung von einem arabisch-israelischen Journalisten, der vor der fremdenfeindlichen Stimmung in Israel resigniert und in sein arabisches Heimatdorf zurückkehrt. Dort herrscht jedoch eine Art interner Ausnahmezustand aufgrund des äußeren. Wie in Albert Camus' "Die Pest" oder William Goldings "Der Herr der Fliegen", vergleicht Peters, zeige sich der Mensch hier als des Menschen Wolf. Sayed Kashuas Perspektive auf die Demokratiefähigkeit der arabischen Kultur sei "tief pessimistisch", konstatiert die Rezensentin, aber gleichwohl "spannend" zu lesen, denn der Autor zeige ein "vielschichtiges Bild" voller Widersprüche und voller Individuen mit den unterschiedlichsten Ansichten. Auf den Leser, empfiehlt Sabine Peters, warte ein "dichtes, beklemmendes" und in ein fremdes Land fortziehendes Buch.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.07.2005

Angetan zeigt sich Rezensent Carsten Hueck von Sayed Kashuas Roman "Da ward es Morgen", der das Dilemma arabischer Israeli thematisiert. Wie er berichtet, gehört der Autor, Kolumnist einer israelischen Wochenzeitung, selbst zu dieser Bevölkerungsgruppe. Kashua erzähle die Geschichte eines arabischen israelischen Journalisten, der, seiner arabischen Identität entfremdet, nach zehn Jahren in sein Heimatdorf zurückkehrt, das von politischen Machtkämpfen zerrissen ist und vom Militär schließlich abgeriegelt wird. "Durch geschickte Steigerung der Spannungsmomente spitzt Kashua die Situation radikal zu", lobt Hueck. Kashua führe vor, wie aufgrund anhaltender Deprivation Opportunismus und Gewalt zunehmen. Als "eindringlich" empfindet er insbesondere Kashuas Schilderung des Dilemmas der palästinensischen Israeli zwischen Loyalität, Enttäuschung und Angst.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.06.2005

Gennaro Ghirardelli beschreibt diesen Roman, der die Rückkehr eines israelischen Arabers in sein Heimatdorf beschreibt, das von der israelischen Armee abgeriegelt und am Ende überraschenderweise dem Palästinenserstaat zugesprochen wird, als Mischung aus "Horrorvision" und "bitterer Groteske", die eine treffende "Typologie des Alltags" zwischen obsolet gewordenen Traditionen und entfremdeter "Lebensweise" liefert. Zwar findet der Rezensent, dass die Konstruktion des Buches, in der Szene an Szene gereiht wird, um die absurde Situation im Dorf zu illustrieren, streckenweise "etwas schematisch" wirkt. Dennoch lobt er das Buch, weil es aus der Sicht einer Bevölkerungsgruppe erzählt, die in der aktuellen Auseinandersetzung "gern vergessenen" wird, nämlich aus der der israelischen Araber, die israelische Staatsbürger "bleiben möchten".
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