Zeruya Shalev

Liebesleben

Roman
Cover: Liebesleben
Berlin Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783827002778
Gebunden, 368 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler. Ja`ara, die Erzählerin dieses erotischen Romans, ist Dozentin an der Universität vom Jerusalem. Ihr scheinbar geregeltes Leben kommt nach der Begegnung mit Arie, einem nach langen Jahren im Ausland nach Israel zurückgekehrten Freund ihres Vaters, vollkommen durcheinander. Vom ersten Moment an verfällt sie der erotischen Anziehungskraft des ebenso rätselhaften wie tyrannischen Egozentrikers. Die bedingungslose Liebe zu Arie bringt sie dazu, auf alles zu verzichten, was ihr Leben bisher ausgemacht hat: die Zukunft mit einem liebevollen, doch harmlos-langweiligen Ehemann, ihre wissenschaftliche Karriere, selbst ihre Vorstellungen von Treue und Anstand.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.08.2000

Angelika Ohland betont zuerst und vor allem die "Atemlosigkeit" in diesem Buch und gibt dafür auch ein anschauliches Beispiel. So zitiert sie einen Satz, der sich über einen ganzen Absatz erstreckt und voll von Bewegung, sinnlicher Wahrnehmung, Beziehungskomplikationen, Anziehung und Abwehr ist; Elemente, die den Roman, wie Ohland andeutet, auch weiterhin prägen werden. Gefallen hat der Rezensentin auch, dass die Autorin aufzeigt, "wie jämmerlich es tatsächlich ist, die Herrschaft über das eigene Leben zu verlieren". Denn die Protagonistin ist sich ihres Irrtums in ihrer Liebe zu Arie allem Anschein nach zwar bewusst, ist aber dennoch gewillt, den Konsequenzen ins Auge zu sehen - auch wenn sie sie am Ende nicht ertragen kann. "Gerettet wird am Ende niemand", verrät die Rezensentin, die das Buch offensichtlich mit einer gewissen Faszination gelesen hat.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.08.2000

Reinhard Baumgart gibt auf die bange Frage, ob sich Geschichten über Liebe und Leid überhaupt noch erzählen lassen, selbst die Antwort: in diesem Fall ja, und das mit "Bravour"! Das Buch sei spannend und mitreißend erzählt und entwickele sich zu einem richtigen "Leseabenteuer", so der begeisterte Rezensent. Besonders bemerkenswert erscheint es ihm, dass der Roman auch da seine Spannung aufrechterhält, wo er in der Wiederholung der Liebesakte - "soft oder rüd pornografisch" - verharrt. Auch wenn die Pointe der Geschichte vielleicht "allzu logisch und patent" ausgefallen ist, kann der Rezensent nicht umhin, dieses "Erzählgewitter" zu bestaunen und ihm sein Lob zu zollen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.07.2000

Stefana Sabin bespricht in einer Sammelrezension fünf soeben ins Deutsche übersetzte Romane von israelischen Autorinnen.
1) Ruth Almog: "Ein Engel aus Papier"
Nur die Kunst verspreche Rettung aus der Alltagshölle des jungen des jungen Sha`ul, schreibt die Rezensentin, die die Beschreibung der Hölle offensichtlich beeindruckend fand. Die Sprache sei "lyrisch und unsentimental" und die Figuren seien so stark wie plausibel. Das Resultat: "dichte Atmosphäre".
2) Shulamit Lapid: "Der tote Bräutigam"
Der Roman ist die Fortsetzung einer Reihe, die die Reporterin Lisi Badichi zur Heldin hat. Die Rezensentin stellt fest, dass es der Autorin gelungen ist, den Provinzort Be`er Scheva zu einer "Hauptstadt der Kriminalliteratur" zu machen. Auch der neue Roman kann sie überzeugen: Lapid verfahre raffiniert und habe Überraschungen ebenso wie sympathische Helden zu bieten. An "flotten Sprüchen" fehle es ebensowenig wie an "Wirklichkeitstreue".
3) Zeruya Shalev: "Liebesleben"
Das Urteil der Rezensentin über diesen Liebesroman ist einigermaßen vernichtend: es handle sich um eine Mischung von inhaltlichen und formalen Klischees, die Sprache erhebe sich kaum über das Niveau von Trivialromanen. Der Weg von erotischer Leidenschaft zu Liebe, den der Roman ausmessen wolle, führe letztlich nur zu einem: "literarischem Kitsch".
4) Judith Katzir: "Fellinis Schuhe"
Die Flucht aus dem Alltag, die Malka, die Heldin von Katzirs Roman unternimmt, führt sie zu einem alternden Filmregisseur. Dessen Traum von einem großen Film wird zuletzt nichts an der Wirklichkeit verändert haben, wie die Rezensentin feststellt, sehr wohl aber einiges im Reich der Möglichkeiten. Die Mischung des Romans gefällt ihr, selbst die Slapstick-Szenen betonten noch die "impressionistisch-melancholische Note".
5) Yael Hedaya: "Liebe pur"
Die Figuren des Romans bleiben namenlos, in der Beschreibung ihrer Zerrissenheit jedoch würden sie zu "realistischen Gestalten". Sehr sensibel, so die Rezensentin, verfahre die Autorin, zudem mit einigem erzählerischen Geschick in der Wahl der Perspektiven. Wohltuend sei der Verzicht auf Pathos in der "schmucklosen Sprache" - denn gerade in ihrer Leichtigkeit sei die Geschichte irritierend.