Sayaka Murata

Die Ladenhüterin

Roman
Cover: Die Ladenhüterin
Aufbau Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783351037031
Gebunden, 160 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. Keiko Furukura ist anders. Gefühle sind ihr fremd, das Verhalten ihrer Mitmenschen irritiert sie meist. Um nirgendwo anzuecken, bleibt sie für sich. Als sie jedoch auf dem Rückweg von der Uni auf einen neu eröffneten Supermarkt stößt, einen sogenannten Konbini, beschließt sie, dort als Aushilfe anzufangen. Man bringt ihr den richtigen Gesichtsausdruck, das richtige Lächeln, die richtige Art zu sprechen bei. Keikos Welt schrumpft endlich auf ein für sie erträgliches Maß zusammen, sie verschmilzt geradezu mit den Gepflogenheiten des Konbini. Doch dann fängt Shiraha dort an, ein zynischer junger Mann, der sich sämtlichen Regeln widersetzt. Keikos mühsam aufgebautes Lebenssystem gerät ins Wanken. Und ehe sie sichs versieht, hat sie ebendiesen Mann in ihrer Badewanne sitzen. Tag und Nacht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.04.2018

Das höchste Ziel der Protagonistin von Sayaka Muratas Roman "Die Ladenhüterin" ist es, ein kleines, aber unermüdlich drehendes Rädchen im System des rund um die Uhr geöffneten Konbini-Supermarkts zu sein, schreibt Rezensent Martin Oehlen. Da ihr das Gespür fürs "Normale" eigentlich abgehe, sie aber als perfekte Verkäuferin auch die normale Japanerin geben müsse, orientiere sie sich in solchen Fragen einfach an ihrer Umwelt. Das einzige Manko, das sie noch von der Durchschnittskonsumentin trennt, hat Oehlen bald als ihre Ehelosigkeit ausgemacht. Aber auch das lässt sich korrigieren. Wenn die Protagonistin an dem alltäglichsten aller Lebensläufe feilt wie an einem schwierigen Kunstprojekt, hat das einen ganz eigenen, skurrilen Charme, lobt der Rezensent, der sich offenbar gerne zeigen lässt, wie absurd das Gewöhnliche sein kann.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.04.2018

Katrin Bettina Müller sieht in Sayaka Muratas Roman ein großes japanisches Thema behandelt: die Entfremdung und Persönlichkeitsveränderung des Individuums im Dienstleistungsgewerbe. Wie die Anpassung an den Warenmarkt funktioniert und was sie motiviert, erfährt sie von der Ich-Erzählerin in Muratas Roman allerdings nur unvollständig. Das Leben der Heldin außerhalb der Supermarktwelt bleibt laut Müller unterbelichtet. Geht es um Empathieverlust und die absichtsvolle Beschränkung auf einen kontrollierten Raum? Etwas unzufrieden mit den spärlichen Informationen, verlegt sich Müller schließlich auf die Untersuchung des Nichterzählten im Text.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.03.2018

Rezensent Ronald Düker versteht sehr gut, warum "Die Ladenhüterin" sich in Japan bereits 650.000mal verkaufte: Fasziniert stellt er fest, wie rätselhaft dieser knappe Roman trotz seiner Schlichtheit anmutet. "Brillant kalt" schildere die junge Autorin Sayaka Murata, wie ihre Hauptfigur Keiko vollkommen in ihrer Arbeit als Supermarktaushilfe aufgeht, zugleich aber ein "sozialer Alien" bleibt. Zwar gibt es einen bizarren Eheversuch Keikos, so der Rezensent, der aber in einen überraschendes Happy End der anderen Art münde. Obwohl die Ich-Erzählerin in den Augen Dükers auch bis zum Schluss als Fallstudie aus Kracauers Soziologie des Angestellten gelesen werden könnte, glaubt er doch, dass es hier nicht um Kapitalismuskritik geht. Er vermutet eher, dass Murata, die selbst als Aushilfskraft in einem dieser kleinen japanischen Supermärkte arbeitet, die Überzeugung ihrer Protagonistin teilt, dass diese Geschäfte für ihre Kunden "ein Ort der Freude" seien. Von dieser Form wahrer Liebe fühlt sich Düker seltsam getröstet.
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