Tokio, 1948: In den Ruinen der kriegsversehrten Stadt beginnt der Wiederaufbau, doch es herrschen immer noch Korruption und Gewalt. Die Menschen kämpfen ums Überleben, schuldbeladen und gedemütigt von der amerikanischen Besatzungsmacht. An einem kalten Tag im Januar betritt ein Mann die Zweigstelle der Teikoku Bank im Viertel Shiinamachi. Er weist sich als Amtsarzt aus und erklärt dem stellvertretenden Filialleiter, dass es in der Nachbarschaft einen Fall von Ruhr gegeben habe und er vom Gesundheitsministerium beauftragt worden sei, alle Mitarbeiter zu impfen. Die sechzehn anwesenden Bankangestellten folgen seinen Anweisungen und trinken die verabreichte Flüssigkeit. Zwölf von ihnen sterben sofort, die anderen vier werden bewusstlos. Der Mann raubt nur einen Teil der Geldvorräte und verschwindet spurlos. Es beginnt die größte Verbrecherjagd in der Geschichte Japans.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 29.11.2010
Eine Zumutung, dieser Roman!, ruft Rezensentin Sylvia Staude, allerdings nicht empört, sondern hellauf begeistert von der mit sämtlichen Gepflogenheiten des Krimigenres brechenden Kompromisslosigkeit des Autors David Peace. Staude taucht ein in eine Welt, in der aber auch gar nichts in Ordnung ist oder kommt. Kein Kommissar, der das bewerkstelligen könnte, keine Enthüllung, nichts. Bloß ein haarsträubender Massenmord im Japan der Besatzungszeit (authentisch), Gedanken über den Zusammenhang von historischer Zeit und Verbrechen und natürlich Peaces wilde, sich um keine Konvention kümmernde Schreibweise in diesem zweiten Teil seiner Tokio-Trilogie. Staude reicht das voll und ganz.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.11.2010
Ganz in den Bann gezogen ist Alexander Müller von diesem zweiten Teil von David Peace' Tokio-Trilogie, in dem der britische Autor einen wahren Kriminalfall verarbeitet, der in Japan bis heute die Gemüter bewegt, wie der Rezensent weiß. Die Geschichte um einen Massenmord von 1948, bei dem ein Mann 12 Angestellte einer Bank vergiftet, wird in wechselnder Perspektive aus der Sicht eines Opfers, eines Ermittlers, eines Journalisten und schließlich des Mannes erzählt, der dafür verurteilt wurde, erfahren wir. Das liest sich, wie der Rezensent zugeben muss, zunächst wegen der das Geschehen immer aufs Neue umkreisenden Darstellungen etwas mühsam. Dann aber lässt sich Müller von der "gespenstischen Atmosphäre" und dem Tempo dieser Geschichte, die zudem tief in Japans Historie hineinführt, gefangen nehmen.
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