Sarah Blaffer Hrdy

Mütter und andere

Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat
Cover: Mütter und andere
Berlin Verlag, Berlin 2009
ISBN 9783827008855
Gebunden, 480 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Thorsten Schmidt. Vor über einer Million Jahre begann eine Linie von Menschenaffen, ihre Jungen gemeinschaftlich aufzuziehen. "Mütter und andere" erzählt, warum sich aus dieser neuen Form der Fürsorge nicht nur neue Formen sozialen Miteinanders entwickelten, sondern auch unsere Fähigkeit, Gedanken und Absichten der Menschen um uns "lesen" zu können. Wie wäre es wohl, mit einer Horde Schimpansen in einem Flugzeug zu reisen? Die Passagiere würden in kürzester Zeit handgreiflich werden. Zwar fühlen auch wir Menschen uns in solcher Enge von einem schniefenden Sitznachbarn genervt, im Unterschied zu unseren evolutionsgeschichtlichen Vorfahren gehen wir den Störenfrieden jedoch nicht gleich an den Kragen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.06.2010

Angeregt und gern hat Katharina Granzin das neue Buch der amerikanischen Biologin über den Zusammenhang von Kinderbetreuung und Evolution gelesen, und sie fand in diesem Band darüber hinaus die Argumentation der Vorgängerstudie "Mutter Natur" von 2000 vertieft, das zuallererst die weibliche Seite der menschlichen Evolution beleuchtet habe. Als deren ursächliches Zentrum werde die Ausbildung der Empathie beschrieben. Interessiert folgt die Kritikerin der Argumentation des Buchs und seinen thematischen Strängen, auch wenn sie Sarah Blaffer nicht in jedem Fall Recht geben mag. Denn die Argumentation sei, so Granzin, gut geführt, so detailreich und überaus präzise, und kehre zudem das Beste an der Gattung Mensch von unten nach oben - und zeige es.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2010

Dass die Autorin mit einem Haufen wissenschaftlicher Indizien aus Psychologie, Hirnforschung und anderen Disziplinen im Rücken sanft am konventionellen Mutterbild rüttelt, geht für den Rezensenten Joachim Müller-Jung in Ordnung. Schließlich macht die Soziobiologin Sarah Blaffer Hrdy ihre Sache mit empirischer Gründlichkeit und hält die Mutter auch immer noch für das Zentrum der Familie, den Vater immerhin für den fürsorglichen Ernährer. Im Mittelpunkt des Buches aber erkennt Müller-Jung eine Umwertung: Evolutionär gesehen stehen soziale Instinkte und Fürsorge für die Autorin an erster Stelle, dann folgt die Intelligenz. Für den Rezensenten eine Variante des alten Konflikts um Darwins "Survival of the Fittest". Oder doch nicht ganz. Die Autorin, so räumt Müller-Jung ein, glaubt an eine Art Kooperation zwischen sozialer Intelligenz und natürlicher Selektion, eine Auslese der Altruisten. Ein Glück für uns Gemeinschaftswesen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.03.2010

Rezensent Cord Riechelmann schätzt dieses Buch über die Evolution unseres sozialen Verhaltens, das die Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy vorgelegt hat. Zustimmend äußert er sich über die Hauptthese der Autorin, wonach wir erst durch Kooperation, Freundlichkeit und gemeinsame Kindererziehung zu sozialen Wesen und zur dominierenden Spezies auf der Erde wurden. Hrdy führt für ihn anhand von zahlreichen Hinweisen aus Biologie und Anthropologie vor Augen, dass die Entwicklung zur menschlichen Gesellschaft ohne ein Helfersystem nicht denkbar ist. Das Buch hat für ihn auch eine politische Dimension, insofern als die Erforschung der Primaten in den USA seit jeher nicht nur eine Erzählung biologischer Fakten darstellt, sondern immer auch auf eine Interpretation der menschlichen Gesellschaft hinausläuft. So setze Hdry die Geschichte des Betreuungssystems von Tieren zu dem von Menschen in Beziehung, um die Ansicht zu erschüttern, die klassische Kleinfamilie sei quasi von Natur aus das optimale Betreuungssystem für Kinder. Riechelmann konstatiert bei Hrdy im Vergleich zu früheren Arbeiten eine Wandlung von der Konkurrenzsoziobiologin zu einer "Apologetin von Kooperation". Diese Wandlung findet er im vorliegenden Buch "argumentativ klar mit plastischen Beispielen plausibel gemacht".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.02.2010

Als "aufsehenerregendes Buch" kündigt Susanne Mayer diese nun in deutscher Sprache erscheinende Studie der amerikanischen Anthropologin über Mütterlichkeit als Schlüssel der Evolution des modernen Menschen an. Sarah Blaffer Hrdy knüpfe an die Vorgängerpublikation "Mutter Natur" an und lege dar, wie die besondere, nicht allein auf die Mutter ausgerichtete Brutpflege des Menschen die Empathie ausgebildet und dadurch das Entstehen des Homo sapiens und einer auf Zusammenarbeit gegründeten Gesellschaft befördert habe. Zwar nimmt Mayer die Thesen des Buchs nicht immer widerspruchslos hin, wirft der Autorin gelegentlich eine allzu rosige Sicht auf die Gattung Mensch oder die Gesellschaft vor. Grundsätzlich hat sie aber das mit großem Interesse gelesen, auch wenn sie mitunter Fragen vermisst, auf die es vielleicht nur eine unangenehme Antwort gibt.

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