Das Buch analysiert die wichtigsten Vatertheorien und Vaterbilder auf der Grundlage von pädagogischen, psychologischen und soziologischen Beiträgen der letzten 250 Jahre. In diesem Buch wird der gesamte Diskussionsstand in einem genealogischen Gesamtzusammenhang untersucht und vorgestellt. Eine kritische Geschlechterforschung, wie sie hier durchgeführt wird, analysiert die von uns täglich verwendeten Konstruktionen, Vorstellungen und Äußerungen so auch die der Mutter-, Vater- und Elternrollen. Dabei werden die Herstellungsprozesse bestimmter Rollenklischees rekonstruiert und deren Entstehungsbedingungen dekonstruiert.
Mit einem sehr haltbaren Mythos in der Wissenschaftsgeschichte der Vatertheorie räumt die Habilitationsschrift von Barbara Drinck entschlossen auf: dem Mythos vom allgewaltigen pater familias. Den hat es, resümiert der Rezensent Gottfried Oy, in der souveränen Gestalt, der man später nachtrauerte oder gegen die man andere Modelle ins Spiel brachte, nie gegeben. Im historischen Teil geht die Studie den Theorien der Pädagogik seit dem 18. Jahrhundert nach. Einigkeit kann sie dabei freilich nicht beobachten - welche Rolle der Vater in der Erziehung zu spielen habe, darüber stritten schon die pädagogischen Klassiker. Gegenübergestellt werden dann die Theorien der 68er, die die Väter entmachten wollten, und Alexander Mitscherlichs Insistenz auf die "Schlüsselfunktion" des Vaters. Ein explizites Urteil zu dem Buch gibt der Rezensent nicht ab - seine Besprechung vermittelt aber den Eindruck, dass hier einiges zu lernen ist.
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