Aus dem Englischen von Thomas Stauder. Mit 19 Abbildungen. Über Stereotype und gelebte Erfahrungen: Was es bedeutet, im 21. Jahrhundert jüdisch zu sein. Sander L. Gilman wurde mit seinem Buch über den jüdischen Selbsthass berühmt. In der aktuellen Essay-Sammlung blickt er aus einer sehr persönlichen Perspektive auf Fragen jüdischer Identität in Vergangenheit und Gegenwart. Angefangen vom jüdischen Humor über das Verhältnis des Judentums zum Alkohol bis hin zu aktuellen Vorwürfen, orthodoxe Jüdinnen und Juden seien mitverantwortlich für den Ausbruch des Covid-19-Virus. Dabei wird stets deutlich, dass es "das Jüdische an sich" nicht gibt, sondern es untrennbar verbunden ist mit Phantasien und Stereotypen, die seit jeher kursieren. Es scheint unmöglich zu sein, nicht mit der eigenen jüdischen Zugehörigkeit konfrontiert zu werden - ein Phänomen, das Sander Gilman als ein "Leben im Judenkreis" bezeichnet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.08.2022
Rezensent Thomas Meyer hält die Essays von Sander L. Gilman für eine "Pflichtlektüre". Nicht nur, weil sich bei der Lektüre die historischen Muster des Judenhasses erschließen, sondern auch, weil die aktuellen Erscheinungsformen davon berührt werden - wie der Vorwurf, Juden seien Schuld an der Verbreitung des Coronavirus oder die antisemitischen Vorfälle auf der Documenta 15. Vor allem aber gefällt dem Rezensent, wie der Autor eigene Erfahrung und deren Reflexion in seinen Texten verarbeitet. Er hält sie für ein "Lehrstück produktiver Selbstkritik", bei dem das Persönliche nicht nur auf etwas Allgemeines verweist, sondern diese gelebte Wirklichkeit auch antisemitischen Konstruktionen gegenübergestellt wird.
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