Margarita Pazi

Staub und Sterne

Aufsätze zur deutsch-jüdischen Literatur
Cover: Staub und Sterne
Wallstein Verlag, Göttingen 2001
ISBN 9783892443575
Broschiert, 304 Seiten, 24,54 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Sigrid Bauschinger und Paul Michael Lützeler. Was ist deutsch-jüdische Literatur? Wer ist als jüdischer Schriftsteller zu verstehen? Welche jüdischen Autoren verstehen sich selber als solche? Um diese Fragen kreisen die 15 Aufsätze von Margarita Pazi über deutsch-jüdische Autoren des 20. Jahrhunderts, die die Vielfalt dieser Literatur widerspiegeln. Ein Teil der Arbeiten beschäftigt sich mit Autoren aus dem böhmisch-mährischen und tschechischen Raum. Margarita Pazi, aus Böhmen stammend, zeigt, wie jüdische Intellektuelle, darunter Max Brod, Egon Erwin Kisch, Franz Kafka, Paul Kornfeld, Franz Werfel und Ludwig Winder, sich ihres jüdischen Erbes und zugleich ihres Europäertums bewusst wurden und dem auf ganz unterschiedliche Weise Ausdruck verliehen. Weitere Porträts gelten Karl Kraus, Stefan Zweig, Kurt Tucholsky, Nelly Sachs, Else Lasker-Schüler und Jenni Aloni.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.10.2001

Der Titel teilt schon so was mit. Von "leisem Schreiben", von Eindringlichkeit und Diskretion. Kennzeichen, die der mit czz. zeichnende Rezensent gern für die Autorin reklamieren würde. An Ilse Aichinger erinnert ihn das, wie diese Essays der flotten Phrase entsagen und jedem schnellen Schluss, an den "Modus jener 'kleinen Literaturen'" denkt er dabei, dem sich die Autorin, wie es heißt, auch thematisch verschrieben habe. Dass die das Jude-Sein der Autoren fokussierenden Aufsätze über Broch, Lasker-Schüler, Werfel, Zweig u.a. - "ein differenziertes Spektrum jüdischer Identitäten zwischen Assimilation und Aufbegehren" - nicht nur der Gelehrtenrepublik vorbehalten sind, davon ist der Rezensent überzeugt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.06.2001

Jakob Hessing weist zunächst darauf hin, dass sich Margarita Pazi bei der Beschäftigung mit deutsch-jüdischer Literatur weniger auf die Autoren selbst konzentrierte, sondern vielmehr auf die "ethnische Bewusstseinslage, aus der sie (die Literatur) entsteht". In Zentrum des vorliegenden Buchs stehen die "jüdisch-deutschen Autoren vor dem Dritten Reich", informiert Hessing, etwa Kurt Tucholsky, dem die Autorin vorwirft, sich nicht genug für die Rettung der Juden eingesetzt zu haben, sondern vielmehr 'nur Spott und Anklagen, Vorwürfe und Verurteilung' für Juden übrig gehabt zu haben. Hessing macht bei Pazi bisweilen eine stark ideologisch geprägte Haltung aus, was er nicht immer gerecht findet. Doch das "Engagement" der Autorin, dass in diesen Texten spürbar sei, ist seiner Ansicht nach nicht nur eine Schwäche, sondern bisweilen auch die Stärke des Bandes. Gerade die Tatsache, dass Pazi nicht nur Historikerin, sondern auch eine der "letzten Zeugen" dieser Periode ist, macht für ihn die Qualität der Texte aus.