Herausgegeben von Moshe Zuckermann. Der Band dokumentiert die Beiträge einer vom Institut für deutsche Geschichte der Universität Tel Aviv in Zusammenarbeit mit dem Franz-Rosenzweig-Zentrum in Jerusalem veranstalteten Konferenz, bei der es um die allgemeine Frage jüdischen Lebens in der DDR, um das kulturelle Wirken einzelner jüdischer Personen und um die Bestimmung von "jüdischer Identität" ging. Die Autorinnen und Autoren fragen anhand prominenter Beispiele nach der Relevanz des Jüdischen in der DDR. Für die wenigen Juden, die in der DDR gelebt haben, hatte das Jüdische unter den vorherrschenden ideologischen Prämissen in der Regel wenig Relevanz, während der zögernde und langsame Wiederaufbau der jüdischen Gemeinden in der alten Bundesrepublik zum Topos jüdischen Selbstverständnisses werden konnte. Dies ist um so bemerkenswerter, als in den geistigen und politischen Eliten der DDR viele Persönlichkeiten jüdischer Herkunft vertreten waren, darunter Arnold Zweig, Jurek Becker, Wolf Biermann und Gregor Gysi.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.11.2002
Christian Jostmann gibt mit einem Resümee des letzten antizionistischen Schauprozesses in Prag im Jahr 1952 eine kundige Einführung in das Thema "Juden in der DDR". Der sogenannnte Slansky-Prozess hatte auch in der DDR Niederschlag gefunden, auch wenn es dort nicht mehr - wie Jostmann erläutert - zu vergleichbaren Schauprozessen gekommen sei. Jostmann verweist auf eine Reihe an jüngeren Veröffentlichungen zu diesem Thema, denen er offensichtlich seine Kenntnisse verdankt. Der neueste Sammelband fasst laut Jostmann die Ergebnisse einer Tagung in Tel Aviv zusammen, er analysiere die Identität jüdischer Bürger in der DDR und enthalte entsprechend viele Fallstudien zu Persönlichkeiten des DDR-Kulturlebens wie Stefan Heym, Jurek Becker, Arnold Zweig oder Victor Klemperer. Ein anderer Beitrag verfolge das Auseinanderklaffen von Zeugenaussagen der jüngeren Zeit und Dokumenten aus den 50er Jahren, so dass von einer "Überlagerung der Identitäten" ausgegangen werden müsse. Was den Zwang zur Anpassung anging, schließt Jostmann, habe sich die DDR kaum vom Kaiserreich unterschieden. "Juden als Juden" hatten in der DDR nichts zu suchen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 10.06.2002
Jens Hoffmann ist sehr angetan von dem Sammelband über Juden in der DDR, der aus einer Konferenz hervorgegangen ist, die 2000 in Tel Aviv stattfand. Besonders lobenswert findet es der Rezensent, dass viele der Beiträge sich bemühen, die in der DDR lebenden Juden aus ihrem "damaligen historisch-politischen Bewusstsein" heraus zu verstehen und sie nicht einfach als Opfer "abzuhacken". Auch dass, wie in dem von ihm explizit gelobten Beitrag von Kaynar zu Thomas Brasch, der Begriff einer jüdischen Identität kritisch unter die Lupe genommen wird, wird von Hoffmann mit Zustimmung aufgenommen. Er empfiehlt den Sammelband nachdrücklich, und meint, der eigentliche "Witz" des Buches sei, dass deutlich werde, dass man sich sowohl in der DDR als auch in der BRD die Juden vor allem als "angepasst, versöhnt, akzentfrei" gewünscht habe.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Botho Strauß: Bleiben und Blicken In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…