Said

Das Rot lächelt, das Blau schweigt

Geschichten über Bilder
Cover: Das Rot lächelt, das Blau schweigt
C. H. Beck Verlag, München 2006
ISBN 9783406550706
Gebunden, 112 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Bilder erzählen Geschichten, aber es braucht einen Dichter, um sie zur Sprache zu bringen. Seit Jahrzehnten beschäftigen Said bestimmte Gemälde und Zeichnungen, Aquarelle und Holzschnitte oder mittelalterliche Miniaturen, Bilder von Caravaggio und van Gogh, Mark Rothko und Gerhard Richter, von Vermeer, Claude Monet oder aus dem "Stundenbuch des Herzogs von Berry". Nun legt Said etwas ganz Ungewöhnliches vor: Geschichten über Bilder, die nicht versuchen, diese zu interpretieren oder deren Stellenwert in seinem persönlichen Leben zu beschreiben. Sondern es sind Geschichten, die sich in die Bilder hineinbegeben wie der Chinesische Maler in der berühmten Anekdote, der in seinem Gemälde verschwand.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.12.2006

Durchaus interessant scheinen Angela Schader diese Bildbetrachtungen von vierundvierzig Kunstwerken vom 15. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts, die der Lyriker und Essayist Said vorgelegt hat. Die Texte über das Sujet des Bildes, den Künstler oder eine kommentierende Instanz scheren sich nach Auskunft Schaders nicht um die strengen wissenschaftlichen Kriterien der Kunstgeschichte. Neben leicht zugänglichen Beschreibungen wie bei Matisses "Bei der Toilette" findet sie immer wieder recht hermetische Texte, wie die zu Paul Klees "Revolution des Viaductes", Bacons "Kreuzigung" oder Wolfgang Hildesheimers "Die Melancholikerin". Dabei kommt ihr manches reichlich frei und gekünstelt vor. Weniger begeistert ist sie auch von dem "stark sexualisierten" Frauenbild, das in dem Band verglichen mit anderen Motiv- und Gedankenkomplexen eindeutig dominiert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.10.2006

Rolf-Bernhard Essig findet die Methode des Poeten Said, Gemälden ihre Geheimnisse abzulauschen und dem Ohr den Vorzug vor dem Auge zu geben, durchaus empfehlenswert, mit der Einschränkung, dass es ein sehr präzises Ohr verlangt, um mit der Komplexität der Bilder Schritt halten zu können. Said hat auf diese Weise 44 berühmte und weniger bekannte Bilder untersucht, Dialoge zwischen Figuren ersponnen, Figuren, Farben und Pflanzen zur Sprache gebracht, sowie Modelle und Maler zum Selbstgespräch. Obwohl der Sprachkünstler virtuose Wendungen findet, bleiben die Texte oft hinter den Erwartungen zurück und geraten zum Klischee, bedauert der Rezensent, den vor allem bei Frauenakten die "verschwiemelte Erotik" und "preisende Männlichkeit" stört. Außerdem hat die Rezensentin einige ärgerliche Fehler entdeckt: was bei Said etwa ein Tisch ist, entpuppt sich auf dem Bild von Balthus als Käfig. Dafür macht Essig allerdings auch das Lektorat verantwortlich. Trotz dieser Einschränkungen halte man ein schön ausgestattetes Buch in den Händen, das zur eigenen Bildlektüre auffordere, schließt der Rezensent.
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