Sahra Wagenknecht nimmt Ludwig Erhard beim Wort: Wohlstand für alle! In ihrer Analyse entwirft sie ein Zukunftsmodell, das dort weiterdenkt, wo die meisten Marktwirtschaftler auf halbem Wege stehen bleiben. Ebenso wie die Marktwirtschaft sozial wird, wenn man sie vom Kapitalismus befreit, wird Sozialismus kreativ, wenn man ihn von der Planwirtschaft erlöst. Schon lange sind nicht mehr Wettbewerb oder gar Leistung die zentralen Merkmale und Perspektiven unserer Wirtschaft, sagt Sahra Wagenknecht. Der Kapitalismus hat seine Produktivität und Kreativität verloren. Wenn Ökonomie die Kunst des Anreizesetzens ist, wirken heute die falschen, denn sie belohnen abstrakte Renditeziele und Jobvernichtung statt Erhalt und Ausbau von Arbeitsplätzen, Umweltschonung und Unternehmenswachstum.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.06.2012
Fast hätte Peter Gauweiler die Autorin einer der großen Volksparteien zugeordnet. Allerdings gibt es bei aller von Gauweiler voller Überraschung festgestellten Sympathie der einstigen Stalinistin Sahra Wagenknecht mit der frühen Bundesrepublik, ihrem sozial- und wohlfahrtsstaatlichen Vermögen, doch auch Punkte, wo der rezensierende CSU-Mann widersprechen muss. Gegen die von Wagenknecht vorgeschlagene flächendeckende Enteignung deutscher Familienunternehmen erhebt Gauweiler das Wort. Respektvoll aber angesichts der faktenreichen, klaren Sprache des Buches und einer Autorin, die nicht mogelt - eine echte Seltenheit bei öffentlichen Personen, findet Gauweiler.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2011
Nach dieser Geisterbahnfahrt mit Sahra Wagenknecht, vorbei an der Hydra der Finanzhaie und der Fratze der Shareholder-Values, fühlt sich Mechthild Küpper wie nach einer Stunde Bildzeitungslektüre. Agitprop der schlimmsten Art, urteilt sie. Dass die Wagenknecht dabei so unglaublich unpolitisch argumentierend auftritt und dafür lieber mit einem disparaten Layout nervt, verwundert die Rezesentin dann doch. Den Weg in die lichte Zukunft eines wettbewerbsorientierten, kreativen Sozialismus kann man sich schlichter jedenfalls nicht zusammenbasteln, findet Küpper. Zweierlei vermisst sie allerdings in diesem Panorama: Menschen und Mehrheiten.
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