Viele Merkel-Beobachter tun so, als hätte die Kanzlerin der Welt die Augen verhext. Sie sei ein Rätsel, sie sei unlesbar, man wisse nichts über sie - so ein hartnäckiges Klischee.Wirklich? Torsten Körner beweist das Gegenteil und lädt uns ein, Merkel-Neuland zu betreten. Sein neues Buch zeigt, wer die mächtigste Frau der Welt war, wenn sie nicht mächtig war. Denn den Menschen Angela Merkel entdeckt man nicht hinter all den bekannten Bildern, sondern zwischen ihnen, an ihren Rändern und in ihren Schatten. Dass die Kanzlerin Wladimir Putin und Barack Obama traf, wissen wir, aber was geschah, als sie Campino oder Hape Kerkeling begegnete? Warum kamen ihr einst als Umweltministerin die Tränen? Warum gab sie ihr erstes Westgeld für einen Döner aus? Wann fluchte sie derb und deutlich? Und wie ging es zu, als die Klimakanzlerin auf Greta Thunberg traf?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.12.2021
Rezensent Robert Probst gesteht dem Dokumentarfilmer Thorsten Körner die wohlwollende Subjektivität zu beim Blick auf die Ära Merkel. Körners Konzept ist für den Rezensenten radikal unpolitisch, die Texte über die Kanzlerin und ihre Zitteranfälle, die berühmte Kartoffelesuppe etc. liest er als Mensch-Merkel-Miniaturen, gut komponiert, aber auch voller Leerstellen. Das macht Spaß, meint Probst, kann in seiner unstrukturierten, manchmal albernen Fabulierseligkeit aber auch nerven. Belegstellen bietet Körner entsprechend nirgends, dafür jedoch den ein oder anderen entlegenen Zeitzeugenbericht, so Probst.
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