Rudolph Herzog

Truggestalten

Cover: Truggestalten
Galiani Verlag Berlin, Berlin 2017
ISBN 9783869711485
Gebunden, 256 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Eine junge amerikanische Künstlerin sieht Blutflecken am Boden, die spurlos verschwinden. Ein Kreuzberger Hipster ahnt, dass mit seiner Wohnung etwas nicht stimmt. Den Manager eines Start-ups plagt ein Fiebertraum, der sich gespenstisch mit vergangenen Begebenheiten deckt. Nichts in "Truggestalten" ist so, wie es zu sein scheint. An der Oberfläche sieht das Berlin der Gegenwart aus wie der Inbegriff der modernen Metropole. Es ist eine Stadt der Neuankömmlinge, Investoren, Partyhungrigen, in der sich Gruppen vermischen, aber auch gegenseitig verdrängen. Doch zugleich ist dies geschichtsträchtiger Boden; die Stadt stand im Zentrum großer historischer Bewegungen - von den gesellschaftlichen Umbrüchen der Kaiserzeit bis zu den Schrecken des "Dritten Reichs" und den Verwerfungen des Kalten Kriegs. In sieben Episoden, die sich gegenseitig kommentieren und vervollständigen, werden Menschen des neuen Berlin von der Vergangenheit der Stadt eingeholt. Sie spüren ein unheimliches Nachwirken, ein Flackern auf der Retina, das sich nicht heilen lässt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.04.2017

Cornelia Geissler stellt fest, dass die sieben von Rudolph Herzog erzählten Kurzgeschichten in diesem Band durch den Handlungsort Berlin verbunden sind. Eigenwillig, atmosphärisch stark und lebendig findet sie Herzogs Debüt vor allem wegen seines Ansatzes, zunächst Oberflächen von Milieus zu beschreiben, um dann genauer hinzuschauen und Irritationen auszumachen, Narben und Hinterlassenschaften aus dem Krieg oder der DDR. So werfen die Szenen Fragen auf, die die Rezensentin weiter beschäftigen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.04.2017

Rezensent Jens Bisky erfährt in den Berliner Gespenstergeschichten des Dokumentarfilmers Rudolph Herzog u. a., warum der Hauptstadtflughafen nicht fertig wird. Darüber hinaus klärt ihn der Autor in sieben lose gefügten Texten über das Leben von Kosmopoliten mit Geisterproblemen auf, mit Leichen im Keller, Wiedergängern und Untoten. Der vom Autor ermöglichte topografische Nachvollzug der Geschichten erhöht die Lesefreude, erklärt Bisky. Gut kalkulierte Effekte und ein zurückhaltender Erzähler gleichfalls, meint der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.03.2017

Das Problem von Gespenstergeschichten, oft spannungs- und pointenlos zu sein, umschifft der Dokumentarfilmer Rudolph Herzog in seinem literarischen Debüt geschickt, lobt Rezensent Burkhard Müller. Zum einen, weil Herzog keinen Roman, sondern sieben Einzelgeschichten schreibt; zum anderen, weil er diese im "rotzig"-romantikfreien Berlin ansiedelt, fährt der Kritiker fort, der staunt, wie knapp und präzise der Autor Milieus und Figuren zu skizzieren vermag. Und dass statt Horror hier eher Komik aufkommt, wenn Herzog den Berliner Szenekünstlern, Logistikmanagern oder Bioschwaben durch ihre gespenstigen Begegnungen ganz neue Seiten abgewinnt, geht für Müller in Ordnung.
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