Sven Regener

Wiener Straße

Roman
Cover: Wiener Straße
Galiani Verlag Berlin, Berlin 2017
ISBN 9783869711362
Gebunden, 304 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Wiener Straße beginnt im November 1980 an dem Tag, an dem Frank Lehmann mit der rebellischen Berufsnichte Chrissie sowie den beiden Extremkünstlern Karl Schmidt und H. R. Ledigt in eine Wohnung über dem Café Einfall verpflanzt wird, um Erwin Kächeles Familienplanung nicht länger im Weg zu stehen. Österreichische Aktionskünstler, ein Fernsehteam, ein ehemaliger Intimfriseurladen, eine Kettensäge, ein Kontaktbereichsbeamter, eine Kreuzberger Kunstausstellung, der Kampf um die Einkommensoptionen Putzjob und Kuchenverkauf, der Besuch einer Mutter und ein Schwangerschaftssimulator setzen eine Kette von Ereignissen in Gang, die alle ins Verderben reißen. Außer einen! Kreuzberg, Anfang der 80er Jahre - das war ein kreativer Urknall, eine surreale Welt aus Künstlern, Hausbesetzern, Freaks, Punks und Alles-frisch-Berlinern. Jeder reibt sich an jedem. Jeder kann ein Held sein. Alles kann das nächste große Ding werden. Kunst ist das Gebot der Stunde und Kunst kann alles sein. Ein Schmelztiegel der selbsterklärten Widerspenstigen, die es auch gerne mal gemütlich haben, ein deutsches Kakanien in Feindesland.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2017

Edo Reents weiß langsam nicht mehr, in welchem der vielen Lehmann-Texte er sich befindet. Schlimm ist das allerdings nicht, denn Sven Regeners Kunst steht für Reents über allem. Der neue Lehmann ist der alte, nur besser, findet der Rezensent. Die noch stärkere Konzentration auf den Kreuzberger Mikrokosmos und seine neuerliche Abwandlung sind Reents genug. Und mehr als das: Die Frage, was Kunst sei, diesmal im Mittelpunkt des Geschehens um Lehmann, Ledigt, Kächele und Co., umkreist der Autor laut Rezensent mit berückender Evidenz und doch lässig, unprätentiös wie immer, in knappsten Dia- und Monologen aus dem Milieu plaudernd, als wär's sein eigen Fleisch und Blut.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.09.2017

Rezensent Gustav Seibt denkt während der Lektüre von Sven Regeners neuem Roman "Wiener Straße" wehmütig an vergangene Westberliner Zeiten zurück, als man noch von Aushilfsjob zu Kunstprojekt hoppte, in den Tag hinein lebte und sich die Zeit vor allem mit Reden vertrieb. Exakt diesen Sound fängt Regener in seinem "Heimatroman" ein, schwärmt der Kritiker, der sich gern noch einmal von Herrn Lehmann und den Künstlern H. R. Ledigt und P. Immel von der Kneipe "Einfall" zu einer Ausstellungseröffnung in die "ArschArt Galerie" mitnehmen lässt. Allzu viel Handlung braucht es da gar nicht, findet der Rezensent, der Regener durchaus in einem Atemzug mit Wilhelm Raabe oder Eckhard Henscheid nennt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.09.2017

Es ist Sven Regeners besonderes Talent das historische Vor-Wende-Berlin so " bis zur Kenntlichkeit karikiert" darzustellen, dass noch heute Zugezogene mitlachen können, erklärt Cornelia Geissler. Herr Lehmann geht mit dem neuen Buch "Wiener Straße" also weiter - und hat diesmal neben eingefleischten Fans sogar die Kritiker so sehr überzeugt, dass sie das Buch bis auf die Longlist des Deutschen Buchpreises gebracht haben, verrät die Rezensentin. Es geht gewohnt schlagfertig zur Sache, und obwohl die wenigsten Figuren wirklich aus Berlin kommen, wird hier und da sogar berlinert, freut sich Geissler.