Die deutsche Revolution von 1918 hat mit Thomas Manns Bekenntnis zur Weimarer Republik eine Affirmation erhalten, die für das Verhältnis von Kultur und Politik von großer Bedeutung ist. In dieser Zeit avanciert Thomas Mann zu einem prominenten Anti-Faschisten und Kritiker des Nationalsozialismus, wobei seine politischen Überzeugungen und Stellungnahmen durch das Werk Friedrich Nietzsches inspiriert werden. Dabei erfährt Nietzsche durch Thomas Mann eine republikanische Zähmung, die ihn von faschistischen Vereinnahmungen entlastet. So fordern Thomas Manns Kritik und Verteidigung Nietzsches zu einer philosophischen Bestandsaufnahme am Leitfaden von historischer Erfahrung auf, die neue Einsichten zum analytischen Potenzial von Nietzsches Philosophie (z. B. der Wille zur Macht) für das 20. Jahrhundert erschließt. Dies führt zu systematischen Unterscheidungen zwischen Zentrum und Peripherie eines radikalen Philosophierens mit der These, dass nicht der "ganze" Nietzsche, aber ein liberaler Nietzscheanismus auch für das 21. Jahrhundert besondere Relevanz besitzt. Der Satz Adornos, dass Nietzsche von Thomas Mann für die Humanität gerettet wurde, erlangt dadurch seine philosophische Vertiefung.
Rezensent Thomas Assheuer erfährt bei Rolf Zimmermann, wie sich Thomas Manns republikanische Wandlung vollzog. Zimmermanns akribische Geduld bei der Nachzeichnung des Rettungsversuchs, mit dem Mann Nietzsche für die Humanität bewahren wollte, scheint Assheuer bemerkenswert, umso mehr, als der Autor für die Gegenwart Vergleichbares unternimmt, indem er versucht, Nietzsches aristokratischen Hochmut zurechtzustutzen und zu entdämonisieren. Für Assheuer eine lehrreiche und erschreckende Lektüre, da sie die Parallelen zwischen den Weimarer Rechten und der AfD nur allzu deutlich werden lässt.
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