Robert Seethaler

Ein ganzes Leben

Roman
Cover: Ein ganzes Leben
Hanser Berlin, Berlin 2014
ISBN 9783446246454
Gebunden, 160 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Als Andreas Egger in das Tal kommt, in dem er sein Leben verbringen wird, ist er vier Jahre alt, ungefähr so genau weiß das keiner. Er wächst zu einem gestandenen Hilfsknecht heran und schließt sich als junger Mann einem Arbeitstrupp an, der eine der ersten Bergbahnen baut und mit der Elektrizität auch das Licht und den Lärm in das Tal bringt. Dann kommt der Tag, an dem Egger zum ersten Mal vor Marie steht, der Liebe seines Lebens, die er jedoch wieder verlieren wird. Erst viele Jahre später, als Egger seinen letzten Weg antritt, ist sie noch einmal bei ihm. Und er, über den die Zeit längst hinweggegangen ist, blickt mit Staunen auf die Jahre, die hinter ihm liegen. Eine einfache und tief bewegende Geschichte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.10.2014

Robert Seethaler sieht in seinem schmalen Roman "Ein ganzes Leben" von jedem Aufmerksamkeit heischenden Stoff ab, berichtet Thomas E. Schmidt. Der Autor erzählt die Lebensgeschichte eines jener Menschen, die noch in der Peripherie der österreichischen Dörfer Randgänger sind, die mit ihrer "Aura freudloser Muße" zwar dazugehören, dem alltäglichen Treiben aber fernbleiben, fasst der Rezensent zusammen. Dieses Leben erzählt Seethaler in einer einfachen, sehr präzisen Sprache, die in mehrfacher Hinsicht Takt erweist, lobt Schmidt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.09.2014

So viel Stille ist selten, meint Rezensentin Bettina Cosack über Robert Seethalers Roman. Und Lakonie. Das Schweigsame aber und das Schlichte passen zu diesem Buch und zu dem Helden, findet die Rezensentin, die nur manchmal das Komödiantische und Schräge aus Seethalers früheren Büchern vermisst, in denen der Autor auch schon Außenseiter und Verzweifelte und Erniedrigte ins Zentrum rückte, wie Cosack erläutert. Der nun vorliegende schmale Band hält für Cosack durchaus, was der wuchtige Titel verspricht, ist Chronik des Lebens und Sterbens in einer alten Welt und unaufgeregte Demutslektion zugleich, meint sie.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.09.2014

Für Hannelore Schlaffer ist Robert Seethalers Roman alles andere als gebirgsselige Zivilisationskritik oder ein Heimatroman. Im Gegenteil erscheint der Rezensentin der Einbruch des Tourismus in die Bergwelt hier geradezu als Erlösung, weil Seethaler vor allem die Brutalität und den Schrecken der bäuerlichen Welt zeigt, wie Schlaffer erläutert. Mehr als die "Biografie eines Bergbewohners" ist das Buch für Schlaffer, da der Autor zusammen mit seiner Figur ein ganzes Jahrhundert ausmisst und an den Entwicklungen in der Bergwelt spiegelt. Am ehesten noch passt das Buch für die Rezensentin zum naturalistischen Schicksalsdrama, interessant vor allem für Städtebewohner, meint sie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.08.2014

Wie will ich leben, wie sterben? Zu solchen existenziellen Fragen provoziert der Roman von Robert Seethaler die Rezensentin. Wo andere Alpenkitsch erkennen, reizt Cathrin Kahlweit die wohltuende Unaufgeregtheit der Erzählung von einem einfachen Menschen und die Szenerie der menschenleeren Alm ohne iPhone. Darüber hinaus scheint ihr die Lakonie, mit der Seethaler vom Leben in den Bergen erzählt, passend zu den im Buch anklingenden Motiven des Bergromans. Dass neben Archaik, Brutalität und Entsagung mit den Themen Tourismus und Umweltzerstörung auch die neue Zeit ihren Platz in der Erzählung hat, scheint dem Roman für Kahlweit eine zusätzliche Note zu verleihen und ihn lesenswert zu machen.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 09.08.2014

Endlich kann er das Jammern lassen, unser von urbanen Nöten geplagter Rezensent. Nach der Lektüre von Robert Seethalers fünftem Roman nämlich scheint Elmar Krekeler sein eigenes Schicksal eher gering zu sein. Verglichen jedenfalls mit dem des Protagonisten, eines "Bauernbankers" im Gebirg, der sklavisch seinem Herrn und den Gesetzen der ins Landschaftsdyll hereinbrechenden Moderne ausgeliefert ist, wie Krekeler mitteilt. Wie der Autor dieses gebeutelte Leben erzählt, mit Zeitsprüngen, Erinnerungsblitzen, bewegend, elegant, ohne ein Wort zuviel, das hat Krekeler tief beeindruckt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.08.2014

Gleichermaßen ergriffen wie erschüttert geht Christoph Schröder aus der Lektüre dieses Buches hervor - und so begeistert wie lange nicht mehr: Seethaler, Spezialist für Bücher über Außenseiter, legt hier einen "im unaufgeregten Stil" verfassten Heimatroman über ein von Katastrophen und Rückschlägen gesäumtes Leben in den Bergen vor, der sich den Fallen seines Genres geschickt entzieht: Zwar geht es auch hier um eine entlegene Region, in die nach und nach die Technik einzieht, doch beschreibt Seethaler gerade keinen entidyllisierenden Bruch, erklärt der Kritiker, der sich im besten literarischen Sinne darüber erschreckt, dass dieses Buch sich ganz auf die erzählte Gegenwart konzentriert: Die Vergangenheit wird nicht idealisiert, doch genauso wenig gibt es einen utopischen Fluchtpunkt, der aus dieser Welt herausführt. Nicht zuletzt zeigt sich Schröder sehr begeistert darüber, wie Seethaler hier eine zumindest per Google nicht nachrecherchierbare Fantasie-Geografie der Alpenregion entwirft. Darin liegt für ihn die typisch paradoxe Methode des Autors, der zwar entspannt und aus gesunder Ferne über die Dinge schreibt, aber seine Erzähltwelt doch ertastbar auserzählt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.07.2014

Robert Seethalers neuer Roman "Ein ganzes Leben" hat Elke Heidenreich tief berührt. Der Autor erzählt die Geschichte von Andreas Egger, der nach dem Tod der Mutter aus Wien aufs Land zu seinem Onkel ziehen muss, der ihn "zum Knecht und zum Krüppel" prügelt, später in den Krieg eingezogen wird und in Gefangenschaft gerät, schließlich erwachsen seine Frau durch eine Schuttlawine verliert und schließlich selbst sterbend sein eigenes Ende beobachtet, fasst die Rezensentin zusammen. Es ist kein gutes Leben, dass Eggers beschieden ist, aber er lebt es mit einer stoischen Ruhe, die keine Gründe fordert und nie anklagt, so Heidenreich. "Er stand da wie ein Baum, der in seinem Inneren schon morsch war", zitiert die Rezensentin. Am Ende ist es aber kein unglückliches Leben, auf das Egger zurückblickt - wenigstens Egger ist nicht unglücklich damit, verrät Heidenreich.
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