Frank Schulz

Onno Viets und der weiße Hirsch

Roman
Cover: Onno Viets und der weiße Hirsch
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2016
ISBN 9783869711270
Gebunden, 368 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Geplagt von einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung, ist Onno Viets von Hamburg raus aufs Land geflohen. Denn seit dem dramatischen Fall um den "Irren vom Kiez" ist er nicht mehr er selbst: Nicht nur, dass er an der Pingpongplatte versagt, er leidet vor allem unter ausgewachsenen Panikattacken, die seine Tage zur höllischen Qual werden lassen. Dörflichkeit und kuscheliger Schoß der Schwiegerfamilie sollen für Linderung sorgen. Doch natürlich stolpert Onno auch in Finkloch unfreiwillig in finstere Machenschaften, bei denen nicht nur gekreuzigte Pharaonenkatzen und Schusswaffen eine gewichtige Rolle spielen, sondern auch die "Katzenzenzi", exilbayerische Esoterikerin, die es vom Astro-TV ins norddeutsche Dorf verschlagen hat, wo sie sich mit Vollmondseminaren eine goldene Nase verdient. Bald schon überschlagen sich die Ereignisse, es gibt sogar einen Toten … doch auf einmal beginnt Frank Schulz, aus der Komik seiner Regionalfarce heraus das Schicksal ganzer Generationen zu erzählen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.10.2016

Rezensent Burkhard Müller sieht sich angesichts der - wie er findet eher kläglichen - Lobeshymnen seiner Kollegen aufgerufen, es nun selbst mit Frank Schulz' Onno Viets aufzunehmen. Schon um den Verriss von Jens Jessen zu überprüfen, der diesen Roman in der Zeit als Heimatkitsch abtat. Mit ausführlichen Zitaten legt er dar, dass röhrender Hirsch und Humba Täterä nicht Stil, sondern Stoff des Buchs sind. Was also macht den Reiz der Geschichten um den charismatischen Tagedieb und seine "einfachen Leute" aus? Ausschlaggebend für Müller ist Schulz' Fähigkeit, leichte, vergnügliche Unterhaltung mit literarisch hohem Anspruch zu koppeln und somit eine "einzigartige Qualität" zu schaffen, die auch kleinere Schwächen wie einen allzu steilen Spannungsbogen leicht verkraftet. Ganz große Literatur, findet der begeisterte Kritiker.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2016

Rezensentin Wiebke Porombka glaubt fest an die Heilkünste des Humors, solange er nur so hintersinnig und klug ist wie bei Frank Schulz. Auch wenn der Autor in seinem dritten Onno-Krimi Autobiografisches wie auch deutsche Nachkriegsgeschichte ankratzt und es daher nicht ganz so leichtfüßig endet wie sonst, hat die Rezensentin doch überhaupt keinen Zweifel, dass das Buch zwischen Kolportage und Tragik seinen Platz findet und zwar als schräger Reigen noch schrägerer, aber immer liebenswerter Figuren mit gekonnter lyrischer Lautmalerei und einer Ermittlerfigur, die laut Porombka sämtliche aktuellen Optimierungsarten grandios unterläuft.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.10.2016

Noch genüsslicher und zitierfreudiger als das literarische Gesamtwerk des Heimatkrimi-Schriftstellers Frank Schulz zerlegt Rezensent Jens Jessen die Lobeshymnen seiner Kritikerkollegen. Kunst, Virtuosität und Furiosität kann Jessen bei Schulz nämlich keineswegs erkennen: Vielmehr langweilt er sich auch im neuen Roman entsetzlich während der ellenlangen Beschreibungen des Heidedorfes, der Mahlzeiten und Gespräche, die der ach so liebe Onno mit seinen nicht minder lieben Schwiegereltern führe. "Schlimmer Heimat- und Einfache-Leute-Kitsch", urteilt der Kritiker, der dem Autor immerhin Gespür für "altdeutsche Nostalgie" attestiert.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.10.2016

Ein drittes und vermutlich letztes Mal verliebt sich Susanne Messmer in Frank Schulz' kauzigen Nichtsnutz Onno Viets, der wie in den beiden Vorgängerromanen noch immer unter seiner posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Klar, auch dieses Mal hat die Kritikerin wieder ihre Probleme mit Schulz' Hang zum zähen Einstieg, in dem jede Figur und jedes Geräusch so akribisch beschrieben werden, dass Messmer glaubt, sie wäre ein wenig zu nahe am Geschehen. Nach ein paar Seiten hat sie das Onno-Viets-Fieber aber schnell wieder gepackt: Groteske Momente, Brachialhumor, Herzensbildung und große Themen wie Krieg gehen hier einmal mehr brillant zusammen, schwärmt die Kritikerin, die Onno in diesem Teil ins Dorfidyll seiner Schwiegereltern begleitet und bewundert, wie liebevoll, glänzend und präzise Schulz das vordergründig farblose Kleinbürgermilieu schildert. Insbesondere die Figur des Schwiegervaters, der noch immer unter den Schrecken des Zweiten Weltkriegs leidet, hat die Rezensentin beeindruckt: Schlicht genial, wie Schulz Humor und Grauen verbindet, findet sie.
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