Rada Biller

Meine sieben Namen und ich

Erzählungen
Cover: Meine sieben Namen und ich
Berlin Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783827009906
Gebunden, 223 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Alfred Frank, Sabine Grebing, Traude Langmann und anderen. Wenn Rada Biller in ihren Erzählungen berichtet, wie ganz kleine Kinder den Antisemitismus erlebten und der nationalsozialistische Wahn selbst geliebte Haustiere erfasste, aber auch davon spricht, wie jüdisches Leben ins Nachkriegsdeutschland zurückkehrt, dann spürt man den tiefen Humanismus einer europäischen Kosmopolitin. Wenn sie berichtet, wie leicht es sein konnte, eine gesichtslose Bürokratie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen und durch den Eisernen Vorhang zu schlüpfen, oder wenn wir Martin und Marina kennenlernen, die mit einem Riesentopf Borschtsch durch halb Europa fahren und ihr Ziel nur für einen Moment aus den Augen verlieren, spürt man den melancholischen Witz einer selbstbewussten literarischen Stimme. Flucht, Familie und Identität sind die Fixsterne, um die diese siebzehn persönlichen Geschichten kreisen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.2011

Rezensentin Wiebke Porombka zeigt sich zurückhaltend, was den neuen Erzählband von Rada Biller angeht. Ihre Biografie - 1930 als Tochter einer jüdischen Familie in Baku geboren, über Moskau und Prag schließlich nach Hamburg emigriert - ist so etwas wie ein Gang durch das vergangene Jahrhundert, und er hinterlässt in den Erzählungen deutliche Spuren, auch wenn die Autorin einen autobiografischen Hintergrund explizit verneint, erklärt die Rezensentin. Es geht um Identitätsfragen, die in dieser Biografie begründet sind, doch gewinnen sie für Porombka nicht die nötige Plastizität, um die Protagonisten und Geschichten lebendig werden zu lassen, wie sie bedauernd feststellt. Durch die mitunter große Zeitspannen und bewegte Schicksale durcheilende Erzählweise bekommen die Erzählungen häufig etwas Additives und sind in den Augen Porombkas viel zu fragmentarisch und skizzenhaft, um die Leser wirklich zu berühren.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.05.2011

Rezensent Markus Clauer mag Rada Biller eigentlich ganz gern, charmant findet er sie, sympathisch und "eigenwillig glamourös". Was sie für ein aufregendes Leben hinter sich hat, weiß er sehr gut aus ihren bisherigen Romanen. Er mag auch ihre beiden Kinder Maxim Biller und Elena Lappin und all die vielen, vielen Geschichten, die es aus dieser anstrengenden und kosmopoliten Familie zu erzählen gibt. Aber in diesem Fall findet er Rada Billers Geplauder doch arg harmlos, "irritierend naiv" gar und mit schalen Pointen verziert. So legt Clauer nahe, über diesen Band den Mantel des Schweigens zu hängen, so wie er am Kaffeetisch über solche Anekdötchen einfach hinweghören würde.