Pierre Charbonnier

Überfluss und Freiheit

Eine ökologische Geschichte der politischen Ideen
Cover: Überfluss und Freiheit
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2022
ISBN 9783103971101
Gebunden, 512 Seiten, 36,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Andreas Hemminger. Bei jedem Klimagipfel werden Ziele formuliert - doch die vereinbarten politischen Regelungen genügen nicht, um diese zu erreichen. Warum ist das so? Weil, so zeigt der Philosoph Pierre Charbonnier, die Erde seit dem 17. Jahrhundert als unerschöpfliche Quelle von Wohlstand und Wachstum gesehen wird. Alle seither entwickelten politischen Ideen beruhen darauf, vor allem die zentralen Begriffe von Freiheit und Gleichheit, von Autonomie und von Wachstum bzw. Überfluss.Das ist eine fatale Sicht auf das Verhältnis von Mensch und Natur. Wir brauchen eine philosophische Neudefinition dieser Beziehung, wenn wir nachhaltige politische, soziale und wirtschaftliche Ideen und Konzepte wollen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.11.2022

Rezensentin Annette Jensen scheint enttäuscht von Pierre Charbonniers Versuch, die Geschichte umzuschreiben. Wie der Philosoph zunächst 400 Jahre Ideologiegeschichte von Locke bis Marcuse nachzeichnet, liest Jensen mit Interesse, auch wenn der Autor sie eher pflichtschuldig arbeitet, wie sie findet. Wenn Charbonnier nach neuen Sichtweisen auf Begriffe wie Demokratie oder Freiheit schielt, wird es laut Jensen allerdings dünn. Spätestens hier wird für die Rezensentin spürbar, dass Charbonnier rein ideengeschichtlich vorgeht und reale Erfahrungen scheut.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.09.2022

Rezensent Oliver Weber erfährt im Buch des französischen Philosophen Pierre Charbonnier Wissenswertes über den Zusammenhang von Liberalismus, Überfluss und Freiheit bzw. Freiheitsverlust. Dass der Autor bei seiner Darstellung munter zwischen Klassikern wie Locke, Smith und Marx herumspringt, um sein Thema wirtschaftshistorisch einzubetten, vermag Weber für sich fruchtbar zu machen. Erhellend findet er es, wenn Charbonnier den Finger auf die Bruchstelle in der Entwicklung des Liberalismus legt, auf den Punkt, da er den Überfluss anpeilt, indem er mit dem "freien Wirtschaften" paktiert. Dass der Autor diesen Moment nicht genauer beschreibt, bedauert Weber jedoch. Ebenso den "gewundenen Stil" des Autors, wenn er Auswege aus der "selbst verschuldeten Unfreiheit" skizziert.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 22.07.2022

Rezensent Eike Gebhardt begreift mit den Ausführungen des Philosophen Pierre Charbonnier, dass unser Selbstverständnis und das Ideal des Fortschritts einer Korrektur bedarf. Charbonnier zu frühen Verschiebungen des Weltbildes und zu unserem, "Sündenfall" folgend, als die Natur zur Ware wurde, erkennt Gebhardt unseren Kapitalfehler, Natur, Wirtschaft, Recht und Politk als voneinander geschiedene Systeme zu sehen. Wie der Trugschluss umzukehren sei, verrrät ihm der Autor allerdings nicht. Für den Rezensenten dennoch ein mutiges Buch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.07.2022

Rezensent Herfried Münkler lobt zuerst Pierre Charbonniers Arbeit als Ideengeschichte der europäischen Neuzeit, die auch die Auseinandersetzung mit soziologischen, ökonomischen und philosophischen Theorien nicht scheut und unser Verhältnis zur Natur neu zu bestimmen sucht. Die besondere Denkweise, die der Autor dabei dem Westen unterstellt, die laut Charbonnier zur Spaltung von Natur und Gesellschaft und in die ökologische Krise geführt hat und die der Autor schleunigst zu verlassen rät, bereitet Münkler allerdings Kopfzerbrechen. Nicht nur hält er sie für politisch wenig anschlussfähig, auch scheint ihm ihre Herleitung bei Charbonnier nicht stimmig. In seiner Besprechung führt Münkler das weiter aus.
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