Am 24. Juni 1922 wurde Walther Rathenau, Reichsaußenminister der Weimarer Republik, auf offener Straße erschossen. Kein anderes Ereignis hat die Republik von Weimar stärker erschüttert als die Serie von Anschlägen von 1921 / 1922, die gegen Rathenau und den früheren Reichsfinanzminister Matthias Erzberger, gegen den ersten deutschen Ministerpräsidenten Philipp Scheidemann und schließlich auch gegen den Publizisten Maximilian Harden verübt wurden. Martin Sabrow geht der Frage nach: Waren die Attentate aufgehetzten Einzeltätern zuzuschreiben, oder steckte hinter ihnen das organisierte Mordkomplott eines Geheimbundes? Der schon von den Zeitgenossen verdächtigten Organisation "Consul" konnte (oder wollte) die deutsche Jusitz keine Schuld nachweisen. Und doch hatte sie offensichtlich alle Fäden in der Hand gehabt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.2022
Rezensent Alexander Gallus atmet auf: Der Historiker Martin Sabrow fragt zwar nach der Kontinuität zwischen dem Rathenaumord und heutigem Rechtsterror, kann aber keine zwingende erkennen. Den Mord an Rathenau und die politischen und kulturellen Hintergründe legt Sabrow laut Rezensent ebenso kenntnisreich dar wie er ein Porträt Rathenaus zeichnet. Geschichte wie einen Krimi zu erfassen, das gelingt dem Autor überzeugend, findet Gallus. Die Erkenntnis, dass der Mord keine Einzeltat war, entwickelt Sabrow "so dicht wie quellennah", lobt der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.04.2022
Rezensent Cord Aschenbrenner liest mit großem Interesse, wie der Historiker Martin Sabrow die Geschichte der Organisation Consul. Der rechtsextreme Geheimbund unter Führung des einstigen "kaiserlichen Korvettenkapitän" Hermann Ehrhardt ließ erst den Weimarer Finanzminister Matthias Erzberger ermorden, dann auch Außenminister Walther Rathenau, der Anschlag auf den Sozialdemokraten Philipp Scheidemann schlug fehl. "Detailliert, tiefschürfend und spannend" erzählt Sabrow dem Rezensenten zufolge, wie diese Terrororganisation gegen die Republik intrigierte. Zwar scheiterte sie in ihrem Ziel, Staat und Gesellschaft zum Zusammenbruch zu bringen, aber sie schaffte es durchaus, die Republik zu destabilisieren. Und mit Hilfe der reaktionären Weimarer Justiz und Sympathisanten bei der Polizei konnte sich Hermann Ehrhardt, wie Aschenbrenner berichtet, auch jedem Prozess entziehen. Verurteilt wurden die Handlanger.
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