Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. Paris, Anfang der siebziger Jahre. Louis, ein Außenseiter und Träumer, entdeckt an der Universität eine Anzeige: Gesucht wird ein Student für die Betreuung eines besonderen Jungen. In der Normandie, in einer Ferienvilla am Meer, trifft Louis zum ersten Mal auf Iannis und dessen Mutter Helena. Iannis ist außergewöhnlich schön, höchst empfindsam, jedoch völlig verschlossen und spricht nicht. Helena schreibt erotische Geschichten, trinkt gerne Whisky und beginnt Louis bald zu umwerben. Louis, unsicher, verwirrt und doch neugierig, ahnt, dass sich sein Leben nun ändern muss.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.09.2012
Das Buch gefällt Marius Nobach wegen der Fähigkeiten des Autors, eines ehemaligen Psychoanalytikers, sich in die Problematik des Autismus einzufühlen, ebenso in das Unterbewusste seiner jugendlichen Hauptfiguren und deren Weltschmerz. Die Freundschaft zweier autistisch veranlagter jungen Menschen in einer diesem Leiden eher verständnislos gegenüberstehenden Umwelt wird dem Rezensenten so eindringlich erzählt. Weniger überzeugt zeigt sich Nobach von Philippe Grimberts literarischem Stil. Da wird der Autor offenbar allzu plakativ im Umgang mit Symbolen und geradezu verklemmt, wenn es gilt, Liebesszenen zu erzählen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.08.2012
Rezensent Georg Renöckl schätzt die Romane des Psychoanalytikers Philippe Grimbert, dem er eine hohe Meisterschaft in der Kunst, neue, erhellende Perspektiven auf die Welt zu eröffnen, bescheinigt. Auf erzählokonomisch bestens genutzten 200 Seiten gestattet der Autor dem Rezensenten auch in dieser Geschichte über einen jungen Mann, der als Betreuer eines "besonderen Jungen" mit Verwerfungen seiner eigenen Biografie konfrontiert wird, einen ähnlich erschütternden Blick "in die dunklen Winkel der Seelen ihrer Protagonisten". Auf glänzende Weise vermittle dieser dabei die hemmende Wirkung von im Seelenapparat verschütteten Traumata auf die Lebensfähigkeit, so Renöckl, der zur wiederholten Lektüre dieses "für eigene Interpretationen" hinreichend Raum lassenden Romans nur raten kann.
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