Aus dem Französischen von Lena Müller. Ein Sommer in der Normandie, in den 1980er Jahren. Der zehnjährige Erzähler verbringt die Ferien mit seiner Großmutter am Meer. Er ist noch in diesem Zustand der Kindheit, wo man alles intensiv erlebt, wo man noch nicht genau weiß, wer man ist oder wo der eigene Körper beginnt, wo eine Ameiseninvasion der Erklärung eines Kriegs gleichkommt, den man mit all seinen Kräften wird führen müssen. Eines Tages trifft er einen anderen Jungen am Strand, der ihm die Freundschaft anbietet, eine Freundschaft, die auf einem Ungleichgewicht beruht. Denn Baptiste ist ein "richtiger Junge", hat eine "richtige Familie" - für den Erzähler der Inbegriff eines Glücks, das er dort erstmals findet und das er in jedem Moment wieder zu verlieren fürchtet. Seine geliebte Großmutter, die den Holocaust überlebte und deren Schtetl-Akzent ihn vor den anderen Familien am Strand mit Scham erfüllt, und seine verhasste "monströse" Tante bedeuten für ihn zugleich widerwillige Geborgenheit und die beständige Gegenwart einer Vergangenheit, deren Trauma auf seinen Schultern liegt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.07.2023
Hugo Lindenbergs Roman über die Familie von Holocaust-Überlebenden, die ihren Urlaub an einem französischen Strand verbringen, hat Fritz Göttler mit großem Interesse gelesen. Der zehnjährige, namenlose Erzähler, so Göttler, merkt, dass er außerhalb der Strandgemeinschaft steht, sein gleichaltriger Freund erklärt ihm, das liege daran, dass er Jude sei. Für seine Großmutter und Tante, die jüdische Traditionen einhalten, schämt sich der Erzähler und fühlt sich erst in einer christlichen Messe und beim Abendessen mit der Familie seines Freundes Baptiste wohl, fasst Göttler zusammen. Es geht, erklärt Göttler, um das Weitermachen nach dem Holocaust, was überhaupt noch erzählbar ist und wie die nachfolgenden Generationen mit diesem Trauma umgehen. Der Rezensent ist von der "surrealen Präzision" fasziniert, mit der das Buch verfasst worden ist.
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