Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.07.2001
Beat R. Jenny widmet sich sachkundig und kritisch den abschließenden Ausgaben von Melanchthons mehrbändigem Briefwechsel. Bei der Herausgabe sei man 3-stufig vorgegangen: 1. die Regesten (Urkundenverzeichnisse), 2. Texte, 3. Kommentar, was der Rezensent "bahnbrechend" findet. 1) Melanchthons Briefwechsel. Regesten Band 9 Nach Jenny ist der Band 9 der Regesten "für die Forschung unentbehrlich" - er beinhaltet u.a. ungenau datierte Briefe, etliche Neufunde sowie Berichtigungen zu den Regesten, die "auch die jüngsten Forschungsergebnisse" berücksichtigen. Dank der chronologischen Anordnung könne man Melanchthons Lebensweg und Wirkungskreis gut nachvollziehen und es fänden sich sogar gelegentlich "köstliche Kuriosa". 2) Melanchthons Briefwechsel. Regesten Band 10 Im Gegensatz dazu habe man beim Band 10 zuviel Aufwand mit Unwesentlichem getrieben, nämlich einem Itinerar und einem Ortsregister, bei dem sich Angaben zum Teil überflüssigerweise überschnitten. Der Rezensent fragt, worin dessen "wissenschaftlicher Wert liege". Für wesentlicher hielte er das bereits 1977 angekündigte Personenregister. 3) Melanchthons Briefwechsel. Texte Band 3: 521-858 (1527-1529) Im Textband 3 (Briefe zwischen 1527 und 1529), der eigentlichen letztjährigen Neuerscheinung, lege Herausgeber Richard Wetzel jedoch "erneut eine Probe bewundernswerter briefeditorischer Akribie vor, wie sie bisher für das 16. Jahrhundert wohl noch nie realisiert wurde". Interessant findet Jenny - besonders aus Schweizer Sicht - vor allem den "fugenlosen Schulterschluss" Melanchthons mit Luther und die gleichzeitige "verachtungsvolle Abwendung" von Erasmus, der als Wegbereiter des Zwinglianismus erkannt wurde. So schrieb Melanchthon, "er würde lieber sterben als zusehen zu müssen, wie die Anhänger Luthers von Zwinglis Lehre angesteckt werden", erzählt Jenny. Genau solche Äußerungen seien später von "Erzlutheranern" gegen Melanchthon selbst gewendet worden. Die Briefe im 3. Band zeigten daher oft auch einen Mann, der der "Amtsgeschäfte" reichlich überdrüssig geworden sei.
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