Ob Klima-, Umwelt- oder Gesundheitskrise: Die Machtworte der Wissenschaft verheißen Abhilfe im Zeichen moderner Sachrationalität. Tatsächlich aber verbündet sich hier naive Wissenschaftsgläubigkeit mit einem tendenziell undemokratischen Machtanspruch. Peter Strohschneider widmet sich in seinem Buch Formen dieses autoritären Szientismus in der Gegenwart - und zeigt, wie wissenschaftliche Wahrheiten und politische Mehrheiten auch konstruktivere Allianzen eingehen können.Im Mehrheitsprinzip wird Freiheit gewährleistet. Demokratische Herrschaft verbindet sie mit politischen Rationalitätserwartungen. Aktivistische Wissenschaft oder szientistische Politik setzen hingegen einseitig auf das alternativlose Regime einer unbedingten Wahrheit. Das "Follow the Science!" hat in modernen Wissensgesellschaften viel für sich. Öfter bedeutet es jedoch bloß ein "Schluss mit der Diskussion! Die Zeiten sind zu ernst." Wie dieses Buch anhand aktueller Beispiele zeigt, kann der Szientismus schnell autoritär werden - zum Schaden der liberalen Demokratie wie ihrer Fähigkeit, epochale Herausforderungen klug und wirksam zu bearbeiten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.06.2024
Der hier rezensierende Wissenschaftsphilosoph Mathias Frisch kritisiert die arg zuspitzende Darstellungsweise in Peter Strohschneiders Buch über einen sogenannten "autoritären Szientismus". Denn die bedingungslose Faktengläubigkeit, die der Autor aktivistischen Wissenschaftler*innen mit diesem Begriff unterstellt, gebe es erstens so gar nicht - Klimaforschende etwa seien sich durchaus der Unsicherheiten von Prognosen bewusst, betont Frisch. Andererseits wiederum gebe es durchaus gute Gründe, solche Prognosen trotz der von Strohschneider starkgemachten "Revisionsoffenheit" in politischen Entscheidungen zu berücksichtigen, so der Kritiker. Dieses komplexe Verhältnis würde in der eindimensionalen Verurteilung von Science Activism nicht berücksichtigt; Frisch spricht hier von einer "polemischen Überzeichnung". Die Forderung des Autors, Wissenschaft zwar eine beratende Funktion zu gewähren, ohne sie zur "Letztinstanz" werden zu lassen, klingt für den Kritiker im Grunde ganz ähnlich wie die Charta der "Scientists for Future" - Strohschneider verrennt sich hier etwas in seiner prinzipiellen Abwehrhaltung, vermittelt Frisch.
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