Weil das Projekt der Einigung Europas fraglos historischen Rang hat, war man jedenfalls in Deutschland über Jahrzehnte der Auffassung, es dürfe darüber nicht gestritten werden. Das Beinahe-Scheitern der Währungsunion hat gezeigt, dass das dem Projekt nicht gut bekommen ist. Wir wissen nun, dass das schlichte "Immer enger" der europäischen Vertragsrhetorik kein verlässlicher Wegweiser ist. Die Frage, wie es weitergehen solle mit dem europäischen Projekt, muss von nun an ohne Konsenszwänge diskutiert werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.02.2016
In Europafragen tun Sachkenntnis und Realitätssinn Not, meint Dominik Geppert und findet beides beim Politikwissenschaftler Peter Graf Kielmansegg. Dessen gesammelte Einlassungen zu grundsätzlichen europapolitischen Themen, zur demokratischen Verfassung und zur Integration namentlich, lassen Geppert den Autor als skeptischen Pro-Europäer erkennen. Wenn der Autor die Integrationsdynamik kritisiert und faule Kompromisse aufdeckt, horcht Geppert auf. Auch wenn er keine Lösungen aus der Krise serviert bekommt, Kielmanseggs Leitgedanken, wie die Idee, dass es so schnell keinen EU-Staat geben wird, scheinen ihm bedenkenswert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.06.2015
Auch wenn für Werner Weidenfeld viele Fragen eines kritischen Europäers offen bleiben bei der Lektüre des Buches von Peter Graf Kielmansegg, hält er den Band für lesens- und lobenswert. Das liegt an der über Routine hinausgehenden, laut Rezensent von großer gedanklicher Tiefe zeugenden Wissensvermittlung des Autors in Sachen Integration Europas, unscharfe Zielvorgaben, Zukunftsstrategien, Lernprozesse, Defekte und Defizite und die notwendige Identität der Staatengemeinschaft. Das geht über die Schlüsselthemen zwar hinaus, dem Rezensenten aber noch nicht weit genug, sodass er den Autor inständig um mehr bittet, um ein weiteres Buch zum Thema.
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