Pete Dexter

Paris Trout

Roman
Cover: Paris Trout
Liebeskind Verlagsbuchhandlung, München 2008
ISBN 9783935890540
Gebunden, 415 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Jürgen Bürger. Cotton Point, Georgia, ein Südstaatennest zu Beginn der fünfziger Jahre. Unter der idyllischen Oberfläche bestimmen Rassismus und Klassendenken das Zusammenleben von Schwarzen und Weißen. Als der angesehene Ladenbesitzer Paris Trout ein farbiges Mädchen brutal ermordet, verfallen die Bewohner des Orts in hilflose Schockstarre. Ohne Skrupel nutzt Paris Trout die heuchlerische Doppelmoral der Gemeinde und entzieht sich seiner Verantwortung. Dabei verstrickt er jeden in seiner Umgebung in eine Welt aus Angst und blinder Gewalt. Einzig seine Frau Hannah wagt es, ihm die Stirn zu bieten. Als sich jedoch der Anwalt Harry Seagraves in Hannah verliebt, kommt es zur Katastrophe. Mit großem psychologischen Gespür gelingt es Pete Dexter, die schwelende Bedrohung zu verdichten, die von einem Mann ausgeht, der jenseits von Gut und Böse steht. Wie um eine dunkle Mitte herum ordnet Dexter das Ensemble seiner Figuren und formt so das Psychogramm einer zerrissenen Gemeinschaft, die sich unaufhaltsam auf einen Abgrund zubewegt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.12.2008

Ein "erbarmungsloses Sittenbild" der Südstaaten der USA in den 1950er Jahren erblickt Rezensent Steffen Martus in Peter Dexters Roman über den jenseits von Moral und Recht stehenden Ladenbesitzer und Geldeintreiber Paris Trout, der trotz der Tötung einer schwarzen Frau und ihres Kindes nur zu einer lächerlichen Haftstrafe verurteilt wird. Das Buch vermittelt dem Rezensenten die "Lakonie der Gewalt" und den Rassismus, die von den - weißen - Bürgern von Cotton Point als selbstverständlich akzeptiert werden, auch wenn Paris Trout nicht zum Kreis der normalen Bürger gehört. Aber sein Wahnsinn bestätigt für Martus doch die Regel, die Unterdrückung und Gewalt gegen Schwächere für selbstverständlich hält. Martus hebt hervor, dass es Dexter nicht um eine psychologische Ergründung seiner Protagonisten geht, deren Motivationen vielmehr oft unklar blieben. Er bescheinigt dem Roman eine starke Sogwirkung und eine klare Sprache, die präzise Sachlichkeit mit Poesie verbinde.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.08.2008

Rezensentin Sylvia Staude empfiehlt die Lektüre dieser düsteren Südstaaten-Geschichte des Autors Pete Dexter einfach schon deshalb, weil sie illustriert, welche große Wegstrecke die USA seit den fünfziger Jahren bis zu einem schwarzen Präsidentschaftskandidaten zurückgelegt haben. Der mit dem National Book Award ausgezeichnete Roman über den Mord an einem jungen, schwarzen Mädchen ist Staudes Meinung nach so packend geschrieben, dass man bis "zum letzten Wort nicht von dem Buch lassen kann". Dexter hält ihrer Meinung nach die richtige Balance zwischen Lakonie und Einfühlungsvermögen. Auch stilistisch ist die Rezensentin von dem Roman angetan: Drastisch sind seine Sätze bisweilen, aber immer "glasklar" - und doch voller Andeutungen und Zwischentöne.

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