Harper Lee

Das Land der süßen Ewigkeit

Storys und Essays
Cover: Das Land der süßen Ewigkeit
Penguin Verlag, München 2025
ISBN 9783328604624
Gebunden, 208 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Nicole Seifert. Eine Entdeckung aus dem Nachlass: bisher unveröffentlichte Erzählungen von einer der beliebtesten Autorinnen Amerikas.Harper Lee (1926-2016), Verfasserin des berühmten Romans "Wer die Nachtigall stört", ist eine der größten und wichtigsten amerikanischen Autorinnen, dennoch ist über ihre schriftstellerischen Anfänge bisher nur wenig bekannt. In "Das Land der süßen Ewigkeit" werden nun acht bisher unveröffentlichte Erzählungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, die aus den frühen Jahren ihrer Schriftstellerkarriere stammen und nach Lees Tod in ihrer New Yorker Wohnung gefunden wurden. Von der Kleinstadt in Alabama zum Leben einer jungen Autorin in New York City, bringen diese Geschichten uns die Schöpferin von Tom Robinson und Atticus und Scout Finch näher. "Das Land der süßen Ewigkeit" beinhaltet außerdem acht Essays und Artikel, die uns eine Autorin zeigen, die sehr zurückgezogen wirkte, die die Welt um sie herum jedoch mit großer Neugier, Klarheit und Weitsicht betrachtet hat.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 23.12.2025

Harper Lees Roman "Wer die Nachtigall stört" war eine absolute Sensation, erinnert Rezensentin Liane von Billerbeck. Klar ist man gespannt auf alles Unveröffentlichte aus der Hand dieser Autorin. Aber, nicht alles, was in dieser Story- und Essay-Sammlung zu finden ist, wird den hohen Erwartungen gerecht, gibt die Kritikerin zu, manches hätte man auch in der Schublade lassen können. Es gibt allerdings auch wirkliche Highlights: die vom "feucht-heißen Klima" der Südstaaten geprägte Geschichte über eine Teenagerin, die über die Folgen einer ungewollten Schwangerschaft nachdenkt, zum Beispiel. Besonders begeistert ist Billerbeck aber von einer Weihnachtsgeschichte, in der die Autorin von sich selbst erzählt: Weit weg von der Heimat in New York, erwartet sie bei Freunden ihr ganz persönliches Weihnachtswunder, verrät die Kritikerin. Schon allein wegen dieser herrlichen Geschichte kann Billerbeck den Band empfehlen.  

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 18.12.2025

Außer ihrem großen Roman "Wer die Nachtigall stört" ist wenig von Harper Lees sonstigen Manuskripten bekannt, weiß Rezensent Eberhard Falcke, jetzt gibt es eine Handvoll Kurzgeschichten und Essays zu entdecken, die ihm zufolge zwar nicht wirklich sensationell, aber doch interessant sind. Das literarische Talent Lees blitzt durchaus auf: Eindrucksvoll schreibt sie über die beklemmende Südstaatenatmosphäre, den Rassismus, die Entfremdung, die eine weggezogene junge Frau bei einem Besuch spürt, schreibt Falcke. Die Essays über Gregory Peck und Truman Capote bleiben zwar "blass", aber besonders spannend findet er den Text über ein Weihnachtsgeschenk eines befreundeten Paares: Sie finanzieren ihr ein Jahr des Schreibens, ohne auf einen Brotjob angewiesen zu sein. Für den Kritiker ist an der Sammlung interessant, welchen Einblick sie in die Genese der Autorin Harper Lee ermöglicht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2025

Jan Wiele erzählt in seiner Besprechung von Harper Lees aus dem Nachlass erschienenen Kurzgeschichten von einem Weihnachtswunder, das der Autorin zugestoßen ist: Das Ehepaar Joy und Michael Brown hat ihr mit einer großzügigen Finanzspritze ermöglicht, sich ein Jahr lang auf das Schreiben zu konzentrieren. Ohne dieses Geschenk wäre ihr Klassiker "To Kill a Mockingbird" wohl nicht möglich gewesen, mutmaßt Wiele - der Roman, der zum einen ihre legendäre Schreibblockade begründete und zum anderen viele der Themen versammelt, die auch in diesen Geschichten angesprochen werden. Der Kritiker liest von Gottesdiensten in Alabama, von schwangeren Mädchen, die wegen der vermeintlichen Schande über Suizid nachdenken oder satirische Essays über die New Yorker Kultur-Haute Volée. Der Stil überzeugt nicht immer, zudem wirken manche Texte noch nicht ganz ausgereift, aber interessant ist es ihm zufolge allemal. 

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.11.2025

Harper Lee zählt zu den "Verstummten der amerikanischen Literatur", schreibt Rezensent David Hugendick, jetzt erscheinen ein paar ihrer Kurzgeschichten, die sich in ihrem unsortierten, umfangreichen Nachlass finden ließen. Sie stammen aus der Zeit vor ihrem großen Roman, weisen aber schon viele seiner Themen auf, die Stimmung in Alabama zwischen Rassismus, schöner Landschaft und "schwülem Südstaatenzauber", aber auch Lees Talent für ironiegesättigte Formulierungen. Die Stories im Vergleich zum Roman zu lesen, hat zwar für Hugendick durchaus seinen Reiz, überzeugt ihn aber nicht vollständig: Dass die Geschichten zu ihrer Entstehungszeit von Magazinen abgelehnt und nicht gedruckt wurden, kann er aufgrund mancher ungelenker Formulierungen durchaus nachvollziehen. Literaturgeschichtlich ist dieser Band also eher als Ergänzung zu ihrem Romanerfolg zu lesen, schließt er.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 01.11.2025

Harper Lee ist nun schon neun Jahre tot und immer noch ein Mythos, befindet Rezensent Wieland Freund, ihr berühmtester Roman "Wer die Nachtigall stört" blieb ihr einziger Erfolg. Dass dieses Buch nur scheinbar aus dem Nichts kam, belegt ihm nun ein Band mit Erzählungen, die sie im Laufe der Jahre geschrieben hat und die zu großen Teilen die Handlung ihres Romans vorwegnehmen: Aus einer Louise Finley wird über die Geschichten hinweg Jean Louise Finch, Scout genannt. Die Heimat in Alabama wird ebenfalls immer wieder eingespeist, erwähnt Freund, als könnte sich Lee nicht davon lösen. Auch diese Geschichten stehen für den Kritiker eher im Schatten des großen Romans.