Per Petterson

Im Kielwasser

Roman
Cover: Im Kielwasser
Carl Hanser Verlag, München 2007
ISBN 9783446208674
Gebunden, 189 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger. Fast sechs Jahre ist es her, dass Arvids Vater bei einem Schiffsbrand ums Leben kam, zusammen mit seiner Frau und den beiden jüngsten Söhnen. Nur Arvid, 43, Schriftsteller, und sein älterer Bruder sind übriggeblieben. Doch Arvid fällt es schwer, sich aus der Trauer zu lösen und mit seinen ambivalenten Gefühlen gegenüber dem Vater umzugehen. Behutsam und eindringlich erzählt Petterson, wie ein Sohn im Kielwasser einer Katastrophe versucht, sich selbst nicht zu verlieren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.08.2007

Tief beeindruckt zeigt sich Rezensentin Maike Albath von Per Pettersons neuem Roman um einen getriebenen, haltlosen Schriftsteller, der bei einem Schiffsunglück seine Eltern und seinen jüngeren Bruder verliert. Die Darstellung der schmerzhaften Auseinandersetzung mit dem übermächtigen toten Vater, die starke, ambivalente Gefühle von Wut und Hass über Erleichterung bis Sehnsucht hervorruft, ist für Albath von großer Intensität. Mit Lob bedenkt sie auch die sorgsame, nüchterne Sprache und den "gleichmütigen Tonfall", die in ihren Augen eine geradezu soghafte Wirkung entfalten. Auch die zersplitterte Bauweise des Romans und die Art und Weise, wie Petterson verschiedene Ebenen ineinander blendet, haben Albath restlos überzeugt. Sie hebt hervor, dass Pettersons Protagonist schließlich Trost erfährt und langsam zu sich selbst zurück findet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.04.2007

Mit "Kielwasser" liegt nun auch der Vorgänger-Roman von Per Pettersons "Pferde stehlen" vor, der Nico Bleutge bereits letztes Jahr begeistert hat. In diesem Buch, in dessen Mittelpunkt ein Schriftsteller steht, dessen ganze Familie bis auf den älteren Bruder bei einem Fährunglück ums Leben gekommen ist, zeigt sich der norwegische Autor ein weiteres Mal als "Meister der Gleichzeitigkeit", so der Rezensent beeindruckt. Während der Protagonist sich zögernd den Erinnerungen hingibt und sich verzweifelt seiner Identität zu vergewissern sucht, fließt Vergangenheit und Gegenwart ineinander und die Chronologie scheint zu verschwimmen, erklärt Bleutge. Er preist die kraftvolle Komposition, die sich beispielsweise an der Figur des Vaters beweist, der in seiner ganzen Ambivalenz dargestellt ist, und sieht sich in den mäandernden Reflexionen des Ich-Erzählers an Schwarzweißfilme erinnert. Einzig der Versuch von Petterson, die Lebensbilanz des Ich-Erzählers in ein Gesellschaftsporträt zu weiten, erscheint dem ansonsten sehr eingenommenen Rezensenten etwas prätentiös und wenig überzeugend.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.04.2007

Außerordentlich beeindruckt zeigt sich der Rezensent Wolfgang Schneider von diesem jüngsten stark autobiografisch geprägten Roman des schwedischen Erzählers Per Petterson. Was dem verzweifelten Helden des Buches, dem Schriftsteller Arvid widerfährt, widerfuhr Petterson selbst: Er hat bei einem Fährunglück Eltern und Brüder verloren. Arvid kommt, auch wenn man dies weniger in psychologischer Erklärung als in indirekter Beleuchtung erfährt, so Schneider, darüber kaum hinweg. Seine Frau verlässt ihn mit dem Kind, der Vater wird zur beinahe übermäßig verehrten Gestalt. Sehr erstaunlich findet es Schneider, mit welcher zugleich kargen und "poetischen" Sprachpräzision Petterson die Situation dieses "bis in die Seele verfrorenen Mannes" zu evozieren versteht. Vier Jahre habe der Autor an diesem Werk gearbeitet - und Wort für Wort sei das dem Roman anzumerken.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2007

Großartig, ein "kalt brennendes Glanzlicht" dieses Bücherfrühlings, strahlt Ulrich Baron. Per Petterson erzählt mit autobiografischen Anklängen die Geschichte eines Schriftstellers, der seine Eltern beim Brand auf einer Fähre verloren hat und durch das Schreiben seine eigene Krankheit besiegt. Nicht unbedingt leicht zugänglich, meint Baron, aber noch lange nach der Lektüre wirken die "knappen, prägnanten, schmerzhaft schönen Szenen" in ihm nach. Von Per Petterson werden wir noch viel hören, da ist sich Ulrich Baron sicher.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.02.2007

Als "schonungslos und aufwühlend" feiert Rezensent Christoph Schröder Per Pettersons neuen Roman über eine Lebenskrise, dessen "nüchterne, analytische Prosa" ihn tief beeindruckt und dem er schließlich das Prädikat "großartig" verleiht. Es geht darin, wie wir lesen, um einen Mann, der durch ein Schiffsunglück erst Eltern und Geschwister verliert und sechs Jahre später von Frau und Kindern verlassen wird. Der Rezensent deutet autobiografische Bezüge des Autors zur Handlung an, lässt aber keinen Zweifel, dass es sich hier um ein durch und durch literarisches Werk handelt. Den Rezensenten bewegt die Radikalität, mit der dieser Autor physische und psychische Zustände seines Protagonisten Arvid schildert, ebenso, wie berauschend beschriebene Landschaften, die Darstellung der an- und abwesenden, der toten und lebenden Familienangehörigen Arvids - allen voran der übermächtige Vater.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.02.2007

So richtig düster gehe es in diesem wohl "autobiografisch" gefärbten Roman zu, berichtet Rezensent Andreas Breitenstein von einer rundum trostlosen Existenz des 43-jährigen Ich-Erzählers und Schriftstellers Arvid. Dem Autor gelänge dieses abgründige menschliche Panorama ohne jede Sentimentalität, einfach mit "trockenem" Humor und Lakonie. Arvid habe nicht nur seine Eltern und zwei Geschwister bei einem Fährunfall verloren, auch seine eigene Familie habe ihn später verlassen, nur nicht der unbedingte Wille, mit seiner Verzweiflung alleine zu bleiben. Aus dieser düsteren Konstellation, lobt der Rezensent, schlage der Autor die Funken "hellsichtiger Wahrnehmungen und aufrichtiger Gefühle". Und weit über das Schicksal des Erzählers hinaus habe Per Petterson einen "Abgesang" geschrieben auf die Fortschrittsgläubigkeit einer Generation.  Dieser Autor, so der Rezensent, stelle die richtigen Fragen, und seine Prosa sei bei der Übersetzerin Ina Kronenberger erneut in besten Händen gewesen.
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