Aus dem Französischen von Ulrike Bokelmann und Barbara Heber-Schärer. Paul Ricoeurs letztes, großes Buch ist ein philosophisches Vermächtnis. Der französische Philosoph nimmt hier die Fäden seines Werks auf und führt sie zusammen: die besondere Erfahrung seiner selbst als anderem, die Frage der Identität, die Bedeutung des Dialogs und des wechselseitigen Austauschs und, nicht zuletzt, die Theorie des Handelns. Ricoeurs umfassende historische wie systematische Studie macht im Konzept der Anerkennung einen Zentralbegriff der Philosophiegeschichte insgesamt aus, der, so Ricoeur, bisher sträflich vernachlässigt worden sei. In drei Schritten entwirft er eine Theorie der Anerkennung: Anerkennung kann als Erkennen, als Wiedererkennen und als Anerkanntsein bestimmt werden. Wir können nur etwas erkennen und anerkennen, wenn wir selbst erkannt und anerkannt werden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.08.2006
Rezensent Andreas Cremonini fühlte sich von Paul Ricoeurs letzter selbst verantworteter Veröffentlichung auf einige "gelehrte Spaziergänge durch die philosophischen Gärtlein" von Kant, Bergson und Hegel" mitgenommen. Allerdings ist dem Buch aus seiner Sicht anzumerken, dass es aus einem Vortrag am Wiener "Institut für die Wissenschaft vom Menschen" hervorgegangen ist, also keine geschlossene Theorie, sondern eher ein Parcours durch Diskurse zum Thema sei. So konnte Cremonini zunächst nicht klar erkennen, in welches Verhältnis Ricoeur selbst denn die drei Kernbedeutungen von Anerkennung zueinander setzt. Auch wurde ihm für einen Geschmack mitunter etwas zuviel geläufige Hegeliana aufgetischt. Zu einem eigenständigen Zugang zum Thema findet der Phänomenologe nach Ansicht des Rezensenten erst auf "einigen wenigen, aber dichten Seiten" am Ende des Buches, wo er Zweifel an Hegels Sicht des Anerkennungsbegriffes formulieren würde.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.08.2006
Die Suche nach einem neuen Konzept von Anerkennung sieht Sonja Asal im Zentrum des letzten, kurz vor seinem Tod vollendeten Werks Paul Ricoeurs, das nun auf deutsch vorliegt. Zum besseren Verständnis ihrer Rezension empfiehlt sich der Besuch einschlägiger Seminare zum Thema, will man nicht ganz im Dunklen tappen. Die eingeweihte Rezensentin berichtet über Ricoeurs Differenzierung unterschiedlicher Bedeutungen des Anerkennungsbegriffs, anhand derer er maßgebliche Fragestellungen seines eigenen Philosophierens ausbuchstabiert. Hier nennt sie insbesondere die Frage nach dem Subjekt des Handelns und der Narration in Bezug auf drei zentrale philosophische Disziplinen - Erkenntnis-, Handlungs- und Gesellschaftstheorie. Besonders unterstreicht sie den Ansatz des Philosophen, den ewigen Kampf der Dialektik der Anerkennung zum Stillstand zu bringen. Dies gelingt Ricoeur nach Ansicht Asals durch eine "Weiterentwicklung der ethnologischen Theorie der 'Gabe?, die er in eine 'Ethik der Dankbarkeit? münden lässt".
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