Hinter einem großangelegten Werk mit dem noch viel größeren Titel "Le Monde" verbirgt sich das ehrgeizigste Projekt des Philosophen Rene Descartes: In diesem Werk sollten sämtliche getrennten Wissensfäden zusammenlaufen und ein Gewebe ergeben, so dicht gewirkt, dass damit alles unter der Sonne erklärt wäre. Was den Dichter Durs Grünbein zu diesem cartesischen Universum hinzieht, ist gerade nicht der Triumph nüchterner Rationalität. Das Traumhafte jenes Traumprojekts fesselt ihn, das Phantastische hinter den abstrakten Begriffen, der spekulative Höhenflug, den Descartes sich über seinen naturwissenschaftlichen Hypothesen erlaubt, die Spur des Experimentators durchs Dickicht der allerheiligsten Mysterien - kurzum: das Bildermachen, Fabulieren mit und jenseits aller Methode.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.12.2008
Hingerissen zeigt sich Arno Widmann von Durs Grünbeins Meditationen über Descartes. Er würdigt sie als "lustvolles Exerzitium in genauem Lesen und Denken", findet sie intellektuell und ästhetisch höchst stimulierend, schwärmt von ihrer Klarheit und ihrem Anspielungsreichtum. Das Büchlein hat ihn geradezu verzaubert, so gebannt ist er Grünbein gefolgt. Fürs philosophische Seminar scheint ihm der Text vielleicht nicht ganz geeignet, weil er Argumentation und Suggestion zusammenbringt. Gleichwohl stellen die Meditationen für ihn die "schönste Art zu philosophieren" dar. Besonders hebt er den Zusammenhang von lyrischem und denkendem Ich, von Poesie und Denken hervor, den Grünbein bei Descartes entdeckt und den er auch selbst vollendet vorführt. Widmann sieht in dem Buch ein Stück "post-postmoderner progressiver Universalpoesie", das in seinen Augen auch als Grünbeins "erster Roman" gelten kann. Wie auch immer. Ein "schöneres Geschenk" kann man sich nach Ansicht des Rezensenten jedenfalls nicht machen.
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