Viktor Orbán regiert hinter einem scheinbar demokratischen Vorhang mit eiserner Faust. Eine zwar schwache, aber funktionierende Demokratie baut er in einen autoritären Staat um. Seine nahezu uneingeschränkte Machtposition verdankt er vor allem seiner persönlichen Ausstrahlung, seiner Unbarmherzigkeit und seinem Machtinstinkt.
In den 1990er-Jahren als demokratische Hoffnung gefeiert, gilt Orbáns Bewunderung heute Männern wie Putin und Erdoğan. Von den westlichen, liberalen Werten hat er sich abgewendet. Sein rechtskonservativer, populistischer Kurs lässt fremdenfeindlichen und antisemitischen Tendenzen breiten Raum, seine finanz- und wirtschaftspolitischen Ambitionen führen zu einer Spaltung der Gesellschaft: Einer kleinen Schicht profitierender Neureicher steht ein wachsendes Heer an Armen, Arbeitslosen und Mindestrentnern gegenüber. Die politische Opposition ist schwach und gespalten, die junge urbane Generation wendet sich von der Politik ab oder wandert aus. Ungarn ist zu einem Fremdkörper im demokratischen Europa geworden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.02.2017
Wolfgang Taus kennt in Paul Lendvai einen eloquenten Kritiker des Systems Orban und einen freundschaftlich-kritischen Beobachter der Entwicklungen in seiner Heimat Ungarn. Wenn der Osteuropa-Experte also eine Biografie des ungarischen Präsidenten vorlegt, ist Taus gespannt. Der Mix des Buches aus Dokumentar- und Milieugeschichte, persönlichen Gesprächen und Erlebnissen gefällt Taus und ermöglicht ihm, den Aufstieg Orbans nach 1989 nachzuvollziehen. Prädikat: lesenswert, meint der Rezensent, gerade weil der Autor Orban als großes politisches Talent erkennt und seine Rolle in Europa herausstreicht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.10.2016
Cathrin Kahlweit sorgt sich um Ungarn. Was der einst aus Ungarn geflüchtete Journalist Paul Lendvai ihr pünktlich zum 60. Jahrestag des Volksaufstands über Viktor Orban zu sagen hat, über seine Sozialisation, seine Verwandlung vom liberalen Umstürzler zum Machtpolitiker und über Ungarns Zukunft, kenntnis- und detailreich und mit kühlem Blick, jagt der Rezensentin einen Schrecken ein. Die Vision einer Verfassungsänderung hin zu einem Ende der Gewaltenteilung, einem Ende von demokratischen Wahlen und einem weiter erstarkenden Orban in einem zerfallenden Europa, die der Autor hier eröffnet, hält Kahlweit für eine besorgende Quintessenz.
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