Laszlo Vegel

Bekenntnisse eines Zuhälters

Roman
Cover: Bekenntnisse eines Zuhälters
Matthes und Seitz, Berlin 2011
ISBN 9783882216295
Gebunden, 254 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Lacy Kornitzer. Im Mittelpunkt dieses legendären ungarischen Romans steht eine Gruppe junger Freunde, die sich, statt um ihr Studium, mehr um die wahren Dinge des Lebens kümmern: um Frauen und Alkohol und vor allem um Geld. Sie lehnen die erstarrte Welt, in der sie leben, ab und begegnen der gesellschaftskonformen Betriebsamkeit mit Verweigerung. Sie haben die Unmöglichkeit jeder Revolte begriffen und sehen der Zukunft mit Unbehagen entgegen. Auch der Vorstellung von Liebe trauen sie nicht, für sie zählen nur Sex und die damit verbundenen Möglichkeiten Geld zu machen - ihre einzige Konzession an die Verhältnisse.
"Bekenntnisse eines Zuhälters" - erzählt in einem beinahe unbeschwerten, leicht melancholischen Tonfall - stellt unser inzwischen erstarrtes Bild der wilden und politischen Sechziger auf den Kopf. Das schicksalhafte Jahr 1968 - wie sah es hinter dem eisernen Vorhang aus? In seinem wilden, komischen und turbulenten Roman zeigt uns Laszlo Vegel die Welt von der anderen Seite.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2012

Der Adoleszenzroman von Laszlo Vegel, in der der Student Blue seiner existentiellen Verbitterung nachhängt und nach Ablenkung sucht, führt Tomasz Kurianowicz plastisch vor Augen, wie sich das Jungsein doch ähnelt, egal zu welcher Zeit und in welchem Kulturkreis. Der ungarische Autor beschreibt hier die 68er-Generation in Titos Jugoslawien, die zu ihren Altersgenossen im kapitalistischen Westen erstaunliche Parallelen aufweist, wie der Rezensent findet. Hier allerdings hat man es ausschließlich mit der "Chronik einer Enttäuschung" zu tun, der jegliches lustvolle Element fehlt, so Kurianowicz. Blue, der als Fotograf für einen Ingenieur arbeitet, der junge Mädchen verführt und sie dann mit den Beweisfotos erpresst, führt dem beeindruckten Rezensenten eine trostlose Existenz vor, die ihn dennoch als "hochaktuelle Sinnsuche von erstaunlich verbitterter Kraft" fasziniert. Und rein fatalistisch ist die Haltung des Protagonisten immerhin auch nicht, versichert Kurianowicz, weil Vegel im Verlauf des Romans deutlich mache, dass das Frönen seiner kurzlebigen Zerstreuungen und sich "Raushalten" eben auch "keine Lösung" ist.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.12.2011

Im Jugoslawien der sechziger Jahre herrschte eine weitaus größere literarische Freiheit als in Ungarn, erklärt Karl-Markus-Gauß die Bedeutung dieses Romans, ein Autor wie Laszlo Vegel, der der ungarischen Minderheit in der serbischen Vojvodina angehörte, konnte also viel wagen und damit über die Grenze wirken. Auf Deutsch erscheinen die "Bekenntnisse eines Zuhälters" mit 40-jähriger Verspätung, aber, wie Gauß beteuert, in hervorragender Übersetzung von Lacy Kornitzer. Der Roman erzählt die Geschichte einer jungen Clique, die nichts mehr mit den sozialistischen Idealen ihrer Eltern am Hut haben wollen, zynisch werden und sich nihilistisch verweigern, um nur ja keine "nützlichen Mitglieder der Gesellschaft" zu werden. An einer Stelle nennt Gauß den Roman "merkwürdig", aber anstatt ein Unbehagen zu formulieren, preist er die "wunderbare Schwebe von Jargon und Poesie", in der Vegel den Roman hält, sowie die "unpathetische Feier" von Rausch und Exzess.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.07.2011

Endlich ist Laszlos Vegels "großartiges" bereits 1968 erschienenes Romandebüt "Bekenntnisse eines Zuhälters" auf Deutsch erschienen, freut sich Rezensent Jörg Plath. Denn neben so viel "Nihilismus, Depression und Weltekel" erscheinen Plath heutige Romane wie "Kuschelliteratur". Der Rezensent begleitet Protagonist Blue und seine Freunde, Studenten in Zeiten des jugoslawischen Sozialismus, durch ihre trostlosen Erlebnisse am Rande der Gesellschaft. Voller Weltverachtung und in Ablehnung jeder Arbeit und jeglicher Nützlichkeit verbringen die Jugendlichen ihre Tage mit Erpressungen und flüchtigem Sex. Die Momente des Glücks sind kurz und als Auswege erscheinen häufig nur Drogen oder Selbstmord. Vegel schildere dies mit einer so "ruppigen Negativität", dass sich der Rezensent trotz aller Tragik dieses Romans bestens amüsiert hat.
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