Aus dem Ungarischen von Timea Tankó. In den Wirren der politischen Umbrüche Ungarns gerät sie ständig aufgrund ihres familialen Hintergrundes in Schwierigkeiten: Im Zweiten Weltkrieg wegen der jüdischen Wurzeln ihres Mannes; während der kommunistischen Diktatur sitzt sie wegen ihrer aristokratischen Herkunft sogar im Gefängnis. Nach der ungarischen Revolution 1956 emigriert sie nach Amerika, wo sie sich ein bescheidenes neues Leben aufbaut. Ihr einziger Sohn, der Schriftsteller und Ich-Erzähler, bleibt zurück. Wie sich mit Amerika in den 1960er- und 70er-Jahren - Inbegriff des Kapitalismus - und dem kommunistischen Ungarn zwei gegensätzliche politische Systeme mit Unverständnis, aber ebenso Faszination gegenüberstehen, so leben auch der ungarische Sohn und die "amerikanische" Mutter in unterschiedlichen Welten und bleiben doch untrennbar miteinander verbunden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.08.2012
Dass der ungarische Lektor, Übersetzer und Herausgeber Miklos Vajda sich mit 78 Jahren doch noch entschlossen hat, ein Buch zu schreiben, kann Rezensent Jörg Plath nur begrüßen. Auch wenn der Kritiker sich nicht sicher ist, ob "Mutterbild in amerikanischem Rahmen" eine Biografie oder ein Familienroman ist, liest er ebenso bewegt wie interessiert die intime, ohne Sentimentalität und mit "leichter Ironie" erzählte Geschichte einer Mutter-Sohn-Beziehung. Dabei gelinge es Vajda, die Erlebnisse der Mutter - den Kampf um das Leben des jüdischen Ehemannes, die Erniedrigung in der Haft und ihre Flucht in die USA - und das vielschichtige Mutter-Sohn-Verhältnis mühelos mit der Geschichte Ungarns vom präfaschistischen Horthy-Regime bis zu den Stalinisten zu verbinden. Vajdas Entscheidung, im Anhang die Briefe der "schillernden" Schauspielerin Gizi Bajor an den Ministerpräsidenten aus dem Jahr 1950 mit der Bitte, ihre beste Freundin Judit Vajda aus der Haft zu entlassen, zu veröffentlichen, überlädt den Roman allerdings ein wenig, meint der Kritiker.
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