Mit 174 SW- und Farbabbildungen. Mit einem Vorwort von Bénédicte Savoy. Der Berliner Kunsthändler und Auktionator Paul Graupe spielte im 'Dritten Reich' eine nur schwer zu fassende Rolle zwischen den Extremen. Nach 1933 veräußerte er in großem Umfang jüdischen Kunstbesitz und wirkte für das Regime als Devisenbeschaffer. Zugleich geriet er aufgrund seiner jüdischen Herkunft immer mehr unter Druck und wurde schließlich 1936/37 in die Emigration gedrängt. Erstmals zeichnet dieser Band die Wege von Paul Graupe nach: vom Beginn als Antiquar 1907 über seine Auktionen zwischen 1916 und 1937, den geschäftlichen Neustart in Paris, die Jahre des Exils in der Schweiz und New York bis zu den intensiven Restitutionsbemühungen der Nachkriegszeit. Die Geschichte des exponierten Protagonisten Graupe lenkt auf besondere Weise den Blick auf den schillernden, temporeichen Berliner Kunsthandel der Weimarer Republik sowie auf Zwischentöne und Grauzonen, auf Genese und Netzwerke des jüngst so sehr im öffentlichen Interesse stehenden NS-Kunsthandels.
Die nach der Vorstellung der Studie über Paul Graupe von einem Zuschauer gestellte Frage, ob der jüdische Kunsthändler denn nun gut oder böse gewesen sei, lässt sich für die Rezensentin Brigitte Werneburg nicht beantworten. In jedem Fall sei er zugleich Täter und Opfer gewesen, habe für die Nationalsozialisten zunächst jüdischen Kunstbesitz verkauft und musste später selbst ins Exil fliehen, woraufhin sein eigener Besitz beschlagnahmt wurde. Nach Ansicht Werneburgs kennen heute nur noch Fachleute den Namen Graupes, obwohl er nach dem Ersten Weltkrieg einer der wichtigsten Kunsthändler Berlins gewesen sei. Die drei Autorinnen der Studie bringen dem Leser das schwierige Thema auf sehr verständliche Weise nahe, lobt die Rezensentin, und schärft zugleich den Blick "für die Brüche, Zwischentöne und Grauzonen" in Graupes Karriere. Deshalb sei die Lektüre des Bandes "ein must" für jeden, der sich für Restitution und den Kunsthandel in der NS-Zeit interessiere.
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