Norman Manea

Der Schatten im Exil

Roman
Cover: Der Schatten im Exil
Carl Hanser Verlag, München 2023
ISBN 9783446276284
Gebunden, 320 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Rumänischen von Ernest Wichner. Das beeindruckende Spätwerk des großen rumänischen Autors Norman Manea: Kurz vor dem Fall der Mauer wird "N.M.", der Wandernde, aus Rumänien ausgewiesen. Auf der Suche nach einer neuen Heimat geht er nach Berlin zu einem alten Freund, der sich als noch immer überzeugter Kommunist offenbart. Hier möchte er nicht bleiben, und so zieht er weiter nach New York, wo seine Halbschwester wohnt. Sie beide haben als Kinder den Holocaust überlebt und ringen um ein Gleichgewicht zwischen der Vergangenheit und der Notwendigkeit, sich in einer zunehmend unsteten Gegenwart ein neues Leben aufzubauen. Kunstvoll legt Norman Manea seine eigene Geschichte mit Figuren der Weltliteratur zu einem literarischen Mosaik.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.06.2023

Rezensent Fabian Wolff verehrt den rumänischen Schriftsteller Norman Manea als einen großen Vertreter der Literatur gegen die Angst und die Lügen. Er sieht in einer Reihe mit Grass, Roth, Semprun und Konrad, mit Duras, Calvino und Kis. Seinen Roman "Der Schatten im Exil" liest Wolff als Alterswerk, in dem der in der Bukowina geborene Manea fiktionalisiert auf ein Leben im Exil zurückblickt, erst in Transnistrien, dann in West-Berlin und schließlich in den USA. "Tiefer und ungreifbarer" erscheint ihm das Werk im Vergleich zu früheren Romanen, aber auch fragmentarischer und inkonsistenter in sich selbst und gegenüber anderen Texten. Ob Manea hier absichtlich von anderen Darstellungen abweicht oder ob ihm mit 87 Jahren der feste Zugriff entgleitet, kann Wolff nicht sagen. Oder er möchte es nicht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.05.2023

Rezensentin Carlota Brandis erfährt durch die namenlose Hauptfigur im Buch des rumänischen Autors Norman Manea einiges über den Autor selbst. Der Protagonist, der im Text als "Passagier" oder "Exilant" betitelt wird, flieht vor dem diktatorischen Regime Ceauşescus erst nach Berlin, dann in die USA, erfahren wir. Er begegnet dort unterschiedlichen Menschen, unter anderem seiner Halbschwester Tamar, bleibt aber sowohl zu den Figuren der Geschichte als auch zum Leser auf Distanz, stellt die Kritikerin fest. Der Roman setzt sich collageartig aus verschiedenen Textsorten zusammen, so die Rezensentin: neben der multiperspektivisch erzählten Handlung finden sich Gedichte, Briefe und andere literarische Texte. So spiegelt seine fragmentarische Struktur die "Ambivalenz und Zerrissenheit" des Exils wider, während die Rezensentin in der Hauptfigur ein Alter-Ego des Schriftstellers erkennen kann, dessen Biografie die gleichen schmerzhaften Erfahrungen von Vertreibung und Flucht aufweise.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.04.2023

Der hier rezensierende Schriftsteller Jan Koneffke zählt Norman Maneas Roman zu den ganz großen Werken der Gegenwartsliteratur. Die Geschichte des Exilanten im Text, der mit seiner Halbschwester in einer zugleich "traumatisierten" und "affektiv-erotischen" Verbindung lebt, enthält laut Koneffke viel allgemein Existenzielles, aber auch biografische Elemente. So schmerzhaft die Geschichte des Paares im Buch ist, so erfrischend ironisch und unlinear wird sie erzählt, findet der Rezensent. Ernest Wichners Übersetzung aus dem Rumänischen erscheint ihm zudem meisterlich.
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