Aus dem Rumänischen von Georg Aescht. Das Tor ist der Mund, die Fenster sind die Augen - in der Vorstellung der kleinen Ana bekommt das Haus in der einstmaligen Johannisgasse im siebenbürgischen Kronstadt ein Gesicht, hat Gedanken und Gefühle. Zwei Erdbeben, zwei Weltkriege und einen Bombenangriff hat es heldenhaft überlebt und das Verschwinden seiner "Geschwister" vis-à-vis auf Kosten eines Plattenbauhotels. Von den Bewohnern dieses Hauses über mehrere Generationen und mit mehreren Nationalitäten erzählt die gebürtige Kronstädterin Ioana Pȃrvulescu in ihrem ersten auf Deutsch veröffentlichtem Roman, dem es spielerisch gelingt, eine freudlose Zeit in einem permanenten Glanz erscheinen zu lassen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2021
Rezensentin Sabine Berking schätzt den Blick auf das multikulturelle Kronstadt in den 1960ern, wie ihn Ioana Parvulescu in ihrem Roman eröffnet. Die Kinderperspektive der 5-jährigen Ezählerin auf politische Geschehnisse, Familienereignisse und Sommerferien bringt es laut Berking allerdings auch mit sich, dass alles spannend und undurchsichtig und Rumänien als eine Art kommunistisches Bullerbü erscheint. Etwas weniger aus der Zeit gefallene Verklärung wie in Parvulescus Roman "Das Leben beginnt am Freitag" hätte dem Buch gut getan, glaubt Berking.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.09.2021
Rezensent Jan Koneffke schwärmt mit Ioana Parvulescu in den Erinnerungen an eine Kindheit im siebenbürgischen Kronstadt in den 1960er Jahren. Wie die Autorin die naive Sicht des Kindes mit der nüchternen Perspektive der erwachsenen Erzählerin konterkariert und so die Poesie der Kindheit mit der historischen Realität des Kommunismus abgleicht, scheint Koneffke spannend. Familiengeschichte und die Geschichte Kronstadts werden auf die Art für den Leser erfahrbar, meint er. Für Koneffke ein intelligenter, witziger, von Wärme geprägter Text in einer kongenialen Übersetzung von Georg Aescht.
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