Norbert Niemann

Die Einzigen

Roman
Cover: Die Einzigen
Berlin Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783827012531
Gebunden, 304 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Marlene Krahl lebt für die Musik. Ihre Kompositionen und Forschungen im Bereich der elektronischen Avantgarde beanspruchen sie mit Haut und Haar, als ihr früherer Bandkollege Harry Bieler sie nach Jahren unverhofft in Venedig wiedertrifft. Noch immer ist er fasziniert von ihr als Frau und Künstlerin. Gegen seine Zweifel setzt sie Entschiedenheit. Er sucht Zugang zu ihren Sphären, will ihr Förderer und Geliebter werden und holt sie nach München zurück. Ihr kompromissloser Kunstwille gibt ihm die Kraft, das familieneigene Unternehmen radikal neu zu erfinden. Doch mit dem wachsenden Erfolg kommt auch die Frage ans Licht, wozu er führt. Und was noch bleibt, wenn sich die Zeiten ändern?

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.02.2015

Ein im Leben gestrandeter Mann verfällt einer Elektromusikerin und findet zurück zur Schönheit von Kunst und Musik: In diesem Plot über verloren geglaubte und wiedergefundene Lebensentwürfe schlummere "eine konzentrierte Liebespartitur um Hingabe, Identität und die Kraft der Musik", erklärt Rezensent Björn Hayer. Diese Parabel auf die Situation der Menschen in der Spätmoderne erzähle zwar sprachlich sehr sensibel davon, wie in den Neunzigern jene Utopien abhanden kamen, zu denen man in den Nuller Jahren verzweifelt zurückfinden wollte, führt der Kritiker im weiteren aus. Doch so recht kriege der Autor seinen Stoff - und insbesondere die Beschreibung der elektronischen Musik, die hier so zentral figuriert - nicht zu fassen: Als Roman ist "Die Einzigen" lediglich solide, schließt der Rezensent seine Besprechung.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.10.2014

In seinem Roman "Die Einzigen" beschreibt Norbert Niemann die New-Wave-Generation der Achtzigerjahre, mit ihrer erst subversiv, dann ernst gemeinten "Affirmation des kapitalistischen Konsums", mit ihren abgewetzten schwarzen Hosen und ihrer Hoffnung auf die Popmusik, berichtet Helmut Böttiger. Aber das Buch vermeidet dankenswerterweise bewertende Untertöne, lobt der Rezensent. In Gestalt von Marlene Krahl -ehemals Teil der längst aufgelösten Band "Die Einzigen", um die dieser Roman kreist - hält Niemann sogar eine Figur bereit, die ihren Anspruch auf das Absolute nicht verloren hat, die nach Venedig ausgerissen ist, um in einer Industriehalle mit elektronischer Musik zu experimentieren, die den eigenen Körper als "das letzte mögliche Reservoir" begreift, und die Böttiger daran erinnert, "dass man aufs Ganze gehen kann", wie er schreibt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.10.2014

Einen "klugen Desillusionsroman" nennt Hans-Peter Kunisch diese Künstlergeschichte von Norbert Niemann. Der Roman erzählt die Geschichte dreier Musiker, die von der Kunst und dem Pop träumten, aber in den neunziger Jahren aufwachten: Der eine nimmt sich das Leben, der andere übernimmt die Seifenfabrik seines Vaters und die dritte schließlich driftet in Italien in die verstiegenen Welten der Körper-Elektro-Avantgarde ab. Kunisch kann die "kluge Perfidie" goutieren, mit der Niemann beschreibt, wie die Werber und Verkäufer den Pop an sich rissen, und auch den etwas phlegmatischen Erzähler lässt er sich gern gefallen. Schnittigkeit würde nicht zu dem Roman passen, der den Rezensenten lehrt: Lieber "mit Sinn durchs Leben" wackeln, als genug Geld zu haben.

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