Ein Schriftsteller erhält von dem erfolgsgewöhnten Berliner Galeristen Georg Voigtländer einen ungewöhnlichen Auftrag: Er soll über diesen schreiben und herausfinden, warum Voigtländer nach fünfjährigem Aufenthalt in einer kalifornischen Psychiatrie Galerist geworden ist. Auf Einladung Voigtländers besucht der Schriftsteller die Kunstmesse Art Basel in Hongkong und die Armory Show in New York, wo die Galerie jeweils vertreten ist, und die Biennale in Venedig. Er lernt die ungewöhnliche Familie Voigtländers kennen und setzt sich in Italien auf die Spur des Malers Schelchshorn, der für die Galerie offenbar von großer nichtkommerzieller Wichtigkeit ist, aber jetzt von einer Mega-Galerie umworben wird. Der Schriftsteller unternimmt alles, um sich in den Galeristen einzufühlen. Doch Georg Voigtländer wird nicht weniger rätselhaft. Macht er sein Leben zum Kunstwerk?
Ziemlich begeistert ist Rezensent Christian Metz von Ernst-Wilhelm Händlers neuem Roman, in dem ein Schriftsteller den Versuch unternimmt, einen Kunstgaleristen zu porträtieren. Genauer gesagt, lernen wir, handelt es sich bei dem Porträtierten um den bereits aus Händlers Werk bekannten Georg Voigtländer, der mit seiner Familie alles dem Erfolg unterordnet. Es gibt im Buch allerdings drei Störsender, führt Metz aus, die die Sache komplizierter machen: Erstens ein Kontrahent der Voigtländers, der deren Starkünstler abwerben will; zweitens Voigtländers Neid auf die Literatur, die er höher schätzt als sein eigenes Metier, die Kunst; drittens die ursprünglich wenig glamourösen Lebensumstände des Schriftstellers, der plötzlich mit dem Geld der Kunstwelt um sich werfen kann. Herausgekommen ist bei all dem ein komplexes Vexierspiel zwischen Theorie und Leben, das raffiniert geschrieben ist und viel von unserer Gegenwart zu fassen bekommt, lobt begeistert der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2023
Einen "artifiziellen Kosmos mit sämtlichen denkbaren Exaltiertheiten" hat Ernst-Wilhelm Händler mit diesem Roman für Rezensentin Rose-Maria Gropp geschaffen: Der namenlose Ich-Erzähler beobachtet den Berliner Galeristen Georg Voigtländer sowie dessen Kinder Clara und John und die Mitarbeiterin Amrei in Form einer komplexen (und dabei auch in der Besprechung noch verwirrenden) Biografie-Erfindung, schreibt Gropp, die vom Stil des Autors begeistert ist. Auch die Überlegungen, die er oder der ihm ähnliche Ich-Erzähler zum Verhältnis von Kunst, Ökonomie und Literatur anstellen, gefallen ihr: Ein sicheres Weltauslegungsangebot findet sie hier erfreulicherweise nicht. Sie fühlt sich dafür bestens unterhalten von den Ausflügen in den internationalen Kunstmarkt und von einer Literatur, die sich ihr wieder "unvergleichbar und unentbehrlich" zeigt.
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