Randy J. Taraborrelli

Madonna

Die Biografie
Cover: Madonna
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2001
ISBN 9783455066661
Gebunden, 480 Seiten, 22,96 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Karin Schuler und Reiner Pfleiderer. Was für ein Mensch steckt hinter dem Kunstwerk Madonna? Dieses Rätsel, das die Sängerin, Schauspielerin, Videokünstlerin und Managerin ihrer selbst den Medien aufgab, umkreist Randy Taraborrelli in seiner umfassenden Biografie. In einer Mischung aus Interviews, unveröffentlichten Berichten und Schilderungen von nahen Freunden und Verwandten entfaltet er das Lebensbild des Stars.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.01.2002

Gibt es überhaupt eine echte Madonna? Mit einer Biografie, die sich von der Darstellung der inszenierten Madonna unterscheidet? Eine Antwort auf diese Fragen findet Rezensent Tobias Rapp in keiner der zur Zeit veröffentlichten Biografien., mit denen er sich befasst hat. Er widmet sich hier der von Randy Taraborelli verfassten Biografie. Dieser sorgfältig recherchierte Band, dem man den Rechercheaufwand nach Rapps Meinung deutlich anmerkt, liegt nach Meinung des Rezensenten irgendwo zwischen dem, was gemeinhin als "offizielle", meist von einem Ghostwriter geschriebene Biografie fungiert und dem, was die meist unterhaltsameren, aber auch unseriöseren "inoffiziellen" Biografien ausmacht. Das mache dieses Buch zu einem "seltenen Fall". Der Leser werde mit unzähligen Informationen gefüttert. Bei der Beschreibung ihrer Affären konzentriere sich Taraborelli vor allem auf die "glamourösen". Was Rapp aber völlig fehlt, ist eine Reflektion darüber, was es mit dem Phänomen Madonna überhaupt auf sich hat. Die Vermutung Taborellis, Madonna habe einen Vaterkomplex, findet er nicht sehr erhellend. Er vermisst den Themenkomplex: "Madonna und die Postmoderne" und in dem Zusammenhang die Frage, vor welchem Hintergrund Madonnas Inszenierungen immer wieder funktionieren und auf "welche Codes sie in diesen Selbstentwürfen rekurriert".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.12.2001

Ueli Bernays nimmt zwei nichtautorisierte Madonna-Biografien unter die Lupe, die mehr gemeinsam haben, als dem Rezensenten lieb ist: die eine ist von Randy Taraborrelli, die andere von Andrew Morton.
Bernays beschreibt beide Bücher als ein Kräftemessen zweier Star-Biografen: Der eine (Taraborrelli) hat bereits Michael Jackson und Diana Ross porträtiert, während der andere (Morton) mit Monika Lewinsky und Lady Di aufwarten kann. Taraborrelli will laut Rezensent die "wirkliche Madonna" zeigen, während sich Morton als "Detektiv für Persönlichkeiten" ausgibt. So sehr sie sich auch unterscheiden wollen, der Rezensent hat viele Gemeinsamkeiten zwischen diesen Madonna-Büchern ausgemacht: Beide Autoren hätten zwar versucht, der "Realität hinter der Maske" Madonnas habhaft zu werden - doch beim Herausstellen "menschlicher Schwächen" sind Ästhetik und Image des Popstars weitgehend unbeachtet geblieben, befindet der Rezensent. Auch wichtige Kategorien der Popkultur wie Schein und Geltung haben beide Autoren missachtet, findet der Rezensent. Beide schildern ausgiebig Madonnas "Kampf um Anerkennung" in Hollywood und ergehen sich im "absurden Protokoll" ihrer Liebesgeschichten. Mit vielem, was Madonna tat, habe sie ihren Vater provozieren und beeindrucken wollen, sind sich die Biografen laut Bernays einig. Was hat Madonna inspiriert? Hat sie musikalisches Talent? Hierüber hätte der Rezensent gern gelesen - doch von Musik verstehen beide Biografen wenig, ärgert sich Bernays. Der Rezensent sieht trotz vieler Ähnlichkeiten leichte Vorteile für Morton: Dieser habe bessere Pointen, arbeite wichtige Stationen in der Vita besser heraus als Taraborrelli. Überdies sei er nicht so geschwätzig wie sein Kontrahent.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2001

Nach Ursula März steht bei keinem Star die "Gemachtheit der Erscheinung so stark im Vordergrund" wie bei Madonna. Dieses Phänomen erfordere im Grunde eine soziologische Vorgehensweise. Dies aber leistet der Autor nicht, bedauert März. Vielmehr betätige sich der Biograf von Frank Sinatra und Michael Jackson als "Küchenpsychologe" und beharre auf der "Kellner-Perspektive". Zwar beschäftige er sich mit Madonnas "künstlerischen, geschäftlichen, selbststilisierenden und medienorientierten Aktivitäten - aber ihre sexuellen interessieren ihn einfach mehr." Ärgerlich findet März auch, dass Taborelli in die Reportage immer wieder erfundene Dialogszenen einsetzt und so suggeriert, er wäre dabei gewesen.