Nis-Momme Stockmann

Der Fuchs

Roman
Cover: Der Fuchs
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2016
ISBN 9783498061531
Gebunden, 720 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Finn Schliemann rettet sich auf ein Dach, als die norddeutsche Kleinstadt Thule, in der er aufgewachsen ist, von einer gewaltigen Flut überrascht wird. Über den Trümmern seiner Heimat, unter einer gnadenlos brennenden Sonne und mit dem Lärm des sprudelnden Wassers im Ohr beschwört er die verdrängten Bilder seiner Kindheit herauf: Finn hat einen toten Vater, einen behinderten Bruder und wenige Freunde. Einzig Tille, ein wachstumsgestörter Albino, Diego, ein fetter Junge, dem ein Zeh fehlt, und der für sein Alter riesige Baumann geben sich mit ihm ab. Als Finn eines Nachmittags in die Hände der örtlichen Rowdys zu geraten droht, tritt Katja auf den Plan und in sein Leben. Sie ist phantasievoll, selbstbewusst und mutig.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.03.2016

Nis-Momme Stockmann ist ein erfolgreicher Theater-Autor, und mit seinem Debütroman "Der Fuchs" holt er nun das Pathos der Bühne zurück in die Literatur, freut sich Rezensent Ijoma Mangold. Endlich wird mal wieder jemand laut in der Literatur und nimmt den Mund voll, statt ängstlich im Brei der Postmoderne zu versinken. Dabei geht Stockmanns Buch sehr beschaulich los, verrät Mangold: auf dem Dorf, hinterm Deich, abgerückt vom Festland und der Weltgeschichte. Letztere, so der Rezensent, bahnt sich dann fantastisch angereichert ihren Weg in das Leben des Ich-Erzählers Finn Schliemann und verwickelt ihn in einen epischen Kampf zwischen digitaler Ordnungswut und "seelenvoller Kreativität". Sterben möchte der Rezensent in diesem Kampf nicht gleich, aber 700 Seiten lesen auf jeden Fall.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2016

Mit Nis-Momme Stockmann und Roland Schimmelpfennig legen gleich zwei bekannte deutsche Dramatiker dieses Frühjahr ihre Romandebüts vor, notiert Rezensent Christopher Schmidt - ohne zu verhehlen, dass er beiden Büchern gleichermaßen wenig abgewinnen kann. Stockmanns zwischen Dorfmythologie, nordischem Sagengut, Science-Fiction, Splatter- und Thriller-Elementen oszillierendem "Fuchs" wirft der Kritiker nicht nur vor, den verwirrenden "Hirngespinsten" seines Protagonisten zu viel Platz einzuräumen, sondern ihn auch mit durchaus problematischen "Reinheitsfantasien" auszustatten. Dass Stockmann seinen Roman dann auch noch mit kapitalismuskritischen, poptheoretischen und postmodernen Exkursen überlädt, erscheint dem Rezensenten schlichtweg "krude". Nicht zuletzt hätte er diesem Buch ein gewissenhaftes Lektorat gewünscht, dass die sprachgewaltigen und poetischen Passagen von Längen, Stilblüten, schrägen Bildern und Ausdrucksfehlern befreit.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.03.2016

Nis-Momme Stockmanns Debütroman "Der Fuchs" erscheint Ekkehard Knörer wie ein reißender, überquellender Strom, der Mythisches, Fantastisches und Drastisches freilegt, in zahlreiche Nebenströme abzweigt und doch das große Ganze im Blick behält. Mit angehaltenem Atem liest der Rezensent die siebenhundert zwischen Realität und Irrealität, Horror und "Grand Guignol", "im konvulsivischen Hin und Her, im Kampf zwischen Nüchternheit und Wahnsinn" mäandernden Seiten, auf denen Stockmann abwechselnd essayistisch und brachial körperlich die Grenzen der Wirklichkeit auslotet, übertritt, dabei ein "Monster" erschafft und ebenso lustig und lebendig wie abstoßend erzählt. Das alles gelingt dem als Dramatiker bekannt gewordenen Autor sensationell, urteilt Knörer, der mit diesem Roman weit über den Horizont der Realität hinausgeschaut hat.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 12.03.2016

Äußerst verweisreich bespricht Jan Küveler Nis-Momme Stockmanns neuen Roman "Der Fuchs", der den Kritiker nicht nur an die HBO-Serie "True Detective", sondern auch an Bulgakows "Der Meister und Margarita" erinnert. Dabei hat der Rezensent viel zu tun, denn in Stockmanns Debütroman geht es um nicht weniger als Mathematik, Musik, Zeitreisen, Auferstehung, Eltern, Tod und die Apokalypse des Dorfes Thule, in dem der heranwachsende Finn Schliemann mit seinen Freunden zwischen zersägten Kinderleichen, in Gullys verrottenden Mädchen und erschlagenen Vätern den Kampf mythischer Gottheiten erlebt, informiert Küveler. Das alles schwappt über die Seiten hinaus, gelingt aber prächtig, weil Stockmann nicht nur in einer beachtlichen Balance und geradezu lyrischen Sprache, sondern vor allem mit "brillantem Minimalismus" zu schreiben vermag, versichert der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.03.2016

Zu einem eindeutigen Urteil über Nis-Momme Stockmanns Debütroman "Der Fuchs" kann sich Rezensentin Judith von Sternburg offenbar nicht durchringen. Lieber resümiert sie die apokalyptische Geschichte, die nicht weniger als den Untergang eines kleines Dorfes namens Thule, eine Mordserie und die Rache des altorientalischen Gottes Abzu, der auf der Suche nach seinem herausgerissenen Arm ist, enthält. Das alles ist raffiniert verknüpft und teilweise so brutal geschildert, dass die Kritikerin während der Lektüre an Tarantino-Filme denken muss. Ebenso scheint ihr das Spiel mit Effekten des dramatischen Erzählens gefallen zu haben, auch wenn das Buch bei der Rezensentin im Gegensatz zu Georg Kleins Werken eher wenig nachhallt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.03.2016

Mit "Der Fuchs" legt der Dramatiker Nis Momme-Stockmann einen grandiosen Debütroman vor, versichert Rezensent Christian Metz. Viel Wahnsinn und noch mehr Lesevergnügen verspricht das Werk, in dem der Autor auf siebenhundert Seiten ein Szenario aus Alltagslangeweile, Katastrophen und Weltverschwörungsfantasien entwirft, informiert der Kritiker. Er folgt hier dem erzählenden Finn, der mit seinen beiden Freunden und seiner Kamera den Untergang seines norddeutschen Heimatdorfes auf einem Dach beobachtet und fortan zwischen Gegenwart und kindlicher Vergangenheit, Fiktion und Realität wandert. Dem Autor gelinge es brillant, sieben Erzählebenen miteinander zu verbinden, lobt der Rezensent, der zudem bewundert, wie Momme-Stockmann psychologisch, aber doch ohne Psychologisierung erzählt. Ein wunderbares, zwischen Mythos und Splatter mäanderndes Werk voll "schräger" Metaphorik, schließt der Kritiker, der sich während der Lektüre an Charles Dickens' "Große Erwartung", aber auch an die Brutalität von Tarantino-Filmen erinnert fühlt.
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