Nicole Mayer-Ahuja

Klassengesellschaft akut

Warum Lohnarbeit spaltet - und wie es anders gehen kann
Cover: Klassengesellschaft akut
C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN 9783406837838
Gebunden, 279 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Die da oben, wir hier unten in dieser griffigen Formel kommt das Grundgefühl einer neuen Klassengesellschaft zum Ausdruck, in der Solidarität ein Fremdwort zu sein scheint. Die Soziologin Nicole Mayer-Ahuja zeigt, wie sich Arbeit im Kapitalismus der Gegenwart verändert, wie Spaltungslinien zwischen Lohnabhängigen vertieft werden und wo Potentiale liegen, um Unterschiedlichkeit und Konkurrenz zu überwinden und für gemeinsame Interessen einzutreten. Mayer-Ahuja beschreibt die sich vertiefende Kluft zwischen Arbeit und Kapital, aber auch zwischen verschiedenen Beschäftigtengruppen. Deren Arbeits- und Lebensbedingungen haben sich so polarisiert, dass manche Lohnabhängige auf Kosten anderer abgesichert werden: Stammbelegschaften grenzen sich in Unternehmen von Randbelegschaften ab, prekäre Hausangestellte kompensieren die flexiblen Arbeitszeiten von "Hochqualifizierten", Frauen und migrantische Beschäftigte arbeiten überproportional im Niedriglohnsektor etc. Mit Blick auf prekäre Jobs und qualifizierte Festanstellungen fragt das Buch, welche Erfahrungen verschiedene Gruppen von Arbeitenden verbinden. Die Angst vor Arbeitsplatzverlust, steigender Leistungsdruck, Fremdbestimmung und mangelnder Einfluss auf die eigene Arbeitssituation, aber auch die Konfrontation selbst Festangestellter mit der prekären Lage ihrer Kinder oder Partnerin können Ohnmacht schüren. Oder als Ansatzpunkte für Solidarisierung dienen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.03.2026

Mit den Analysen der Soziologin Nicole Mayer-Ahuja in diesem Buch über die Gegenwart der Klassengesellschaft kann Rezensent Lukas Fuhr viel anfangen; mit den politischen Forderungen, die sie daraus ableitet, weniger. Die Analysen nehmen die ersten zwei Drittel des Buches ein und zeichnen nach, weshalb in Zeiten, in denen die ökonomische Schere zwischen Besitzenden und Arbeitenden sich wieder weiter öffnet, also konkret seit den 1980ern, keine Stärkung des Klassenbewusstseins auf Seiten der Arbeiter zu beobachten ist. Das liegt daran, meint Mayer-Ahuja, dass die Interessen verschiedener Teile der Arbeiterschaft keineswegs gleich sind, Männer haben andere als Frauen, aber auch zwischen Berufsgruppen gibt es Unterschiede. Mithin sollte Klasse nicht als ein statisches, sondern als ein dynamisches Konzept begriffen werden. Soweit geht Fuhr mit Mayer-Ahuja mit. Weniger kann er mit ihren im letzten Drittel ausgeführten Lösungsvorschlägen anfangen: Ganz im Stil der Traditionslinken fordert sie die Beschäftigten dazu auf, sich besser zu organisieren, außerdem soll der Staat viele Bereiche wie Wohnraum und Verkehr in seine Hoheit übernehmen. Warum vor allem Ersteres nicht funktioniert, hat Mayer-Ahuja doch im stärkeren analytischen Teil ihres Buches ausführlich erklärt, wundert sich Fuhr. Der gleichwohl anmerkt, dass dieses Buch ein zweifellos dringliches Problem untersucht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2025

Der Sozialstaat sieht sich mannigfaltigen Angriffen ausgesetzt, weiß Rezensent Dietmar Süß, Historiker an der Universität Augsburg, umso wichtiger, dass sich die Soziologin Nicole Mayer-Ahuja den "gesellschaftlichen Spannungslinien" und der Frage nach dem Zustand der Klassengesellschaft widmet. Süß räumt ein, dass letzterer Begriff zwar ziemlich nach Siebziger-Jahre-Linke klingt, erklärt aber, dass er bei Mayer-Ahuja eine höchst aktuelle Dimension hat, denn sie beschreibt damit die Verhältnisse zwischen Kapital, Macht und abhängiger Beschäftigung. Besonders überzeugt das Buch den Kritiker, wann immer es konkret über die Arbeitssituation von Menschen beispielsweise in Krankenhäusern berichtet, wie sie sich zwischen flexiblen Arbeitszeiten, Abhängigkeiten, Schichtarbeit und Betriebsräten bewegen. Auch ihrem Plädoyer für eine Stärkung des Sozialstaats in Form etwa von öffentlichem Nahverkehr und Bildung kann er sich nur anschließen. 

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