Nicholas Shakespeare

Sturm

Roman
Cover: Sturm
Marebuchverlag, Hamburg 2007
ISBN 9783866480643
Gebunden, 542 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Susanne Höbel. "Und Liebe wagt, was irgend Liebe kann." (William Shakespeare). Dies ist die Geschichte von Alex und Merridy: Ihr Bruder ist spurlos verschwunden. Seine Eltern sterben bei einem Unfall. Die beiden lieben sich. Sie heiraten. Sie wünschen sich ein Kind. Sie können kein Kind bekommen. Sie wünscht sich ihren Bruder zurück. Er wünscht sich, er könnte Vater werden. Und trotzdem sind sie ein glückliches Paar. Bis ein Sturm einen jungen Mann ins Haus trägt. Der junge Mann ist der verschwundene Bruder. Der junge Mann ist das ersehnte Kind. Der junge Mann ist der Vater des ersehnten Kindes. Und endlich bricht sich die elementare Gewalt des unerfüllten Wunsches nach einem erfüllten Leben Bahn.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.11.2007

Nur mäßig zufrieden ist Rezensent Christoph Schröder mit diesem Tasmanien-Roman des Bruce-Chatwin-Biografen. Zwar ist die tragisch-düstere Geschichte aus seiner Sicht nicht ohne Reiz. Und auch die kraftvollen Bilder, die dieser Autor für das Unglück seiner Figuren findet, lassen den Rezensenten nicht unbeeindruckt. Gleich mehrere Familientragödien werden hier über einen Zeitraum von siebzehn Jahren erzählt, lesen wir. Doch stört den Rezensenten das ansteigende "schiefe Pathos", mit dem Nicholas Shakespeare seine Sprache unterlegt, während seine Protagonisten immer verzweifelter werden. Und weil auch die Bilder, die Shakespeare für das unerfüllte Leben seiner Figuren findet, immer überladener wirken, erscheint dem Rezensenten der Roman dann doch psychologisch etwas schematisch konstruiert. Dennoch hat der Roman für ihn seine starken Momente, was nicht zuletzt an zumindest einer überzeugenden Hauptfigur liege.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.09.2007

Wie schon in seinen Romanen zuvor präsentiert sich der britische Autor Nicholas Shakespeare als geschickter Konstrukteur eines großen Erzählbogens, stellt Rezensent Georg Sütterlin eingenommen fest. "Sturm" spielt in Tasmanien, der Insel vor der australischen Südküste, auf der auch der Autor seit 2001 lebt, erklärt der Rezensent. Alex, der seine Eltern bei einem Unfall verloren hat, und Merridy, deren Bruder verschwunden ist, wünschen sich vergeblich ein Kind, bis sie bei einem Schiffbruch einen jungen Mann retten, der für sie die Stellung des ersehnten Kindes und des verlorenen Bruders einzunehmen in Stande zu sein scheint. Fasziniert folgt Sütterlin den prägnanten Darstellungen der eigensinnigen Menschen auf Tasmanien. Gern lässt er sich von der durch die intensiv alles Sinne ansprechende, geradezu filmische Qualität der Schilderungen gefangen nehmen, und wenn ihm das Erzähltempo mitunter auch etwas zu gemächlich ist, zeigt er sich insgesamt von diesem Roman sehr eingenommen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.09.2007

Das Buch hält Rezensentin Anja Hirsch zunächst für ein glattes, klischeebestücktes "Schreibschulprodukt", einen Teeny-Roman voller Leerräume. Wann diese Räume sich zu füllen beginnen, kann Hirsch nicht sagen, sicher ist sie nur, dass Nicolas Shakespeare seinen Text "provokant überkonstruiert" und eine "tiefere Dimension" eingebaut hat. Und deren Leuchten nimmt Hirsch plötzlich gefangen. Verunsichert und ahnungsvoll klopft sie die zuerst so simpel erscheinende in einem unscheinbaren Ort am Meer spielende Beziehungsgeschichte nach Untiefen ab.
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