Hanan al-Shaykh

Zwei Frauen am Meer

Roman
Cover: Zwei Frauen am Meer
Marebuchverlag, Hamburg 2002
ISBN 9783936384024
Gebunden, 127 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich. Im Schatten von Pinien gehen zwei Frauen in Italien am Meer spazieren. Mit dem Wasser, das ihre Füße umspült, kehrt die Erinnerung an ihre Kindheit in einer anderen Welt mit anderen Gesetzen zurück: an das Beirut der sechziger Jahre. Yvonne wächst in einer liberalen christlichen Familie in einem Haus am Meer auf; Hoda weit vom Wasser entfernt, im muslimischen Osten Beiruts, wo schon der Besitz eines Badeanzuges als Verbrechen gilt. Für Yvonne ist das Mittelmeer die selbstverständliche Kulisse erster Lieben und kleiner Triumphe; Hoda muss das Schwimmen im Verborgenen lernen, hinter den Mauern einer Badeanstalt, die einem lichtlosen Gefängnis gleicht. Yvonne und Hoda erinnern sich an eine Zeit voller Geheimnisse und Fluchten, in der das Schwimmen Freiheit, aber auch Furcht bedeutet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2002

Die Emanzipation der arabischen Frau im Spannungsfeld einer von Männern dominierten Gesellschaft ist das Thema der 1945 geborene Libanesin Hanan al-Shaykh, die zu den bekanntesten und erfolgreichsten Autoren ihrer Heimat zählt, notiert Rezensent Stefan Weidner. Wie er ausführt, erzählt die Autorin in ihrem Buch "Zwei Frauen am Meer" von zwei erfolgreichen Frauen, Yvonne und Hoda, die sich an der italienischen Riviera treffen, um ein paar entspannte Tage am Strand zu verbringen. Al-Shaykh schildere die Gefühle und Erinnerungen ihrer beiden Figuren wechselweise aus deren Innenperspektive. "Für beide ist das Meer das große Symbol für die Emanzipation aus den Familienbanden, für die weite Welt, für Sinnlichkeit und Sexualität", erklärt Weidner. Doch während Yvonne ein freies, unverfängliches Verhältnis zum Meer habe, sei Hodas Verhältnis zum Meer eher ängstlich. Mit ihrer Geschichte knüpft Hanan al-Shaykh nach Ansicht Weidners an die alten kulturellen Sinnzuschreibungen des Meeres an: "seine allegorische Geschlechtlichkeit, seine bedrohliche Sinnlichkeit, die totale Entgrenzung, die es symbolisiert, und seine anarchische, alles Anerzogene hinwegspülende Kraft."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.10.2002

An einem italienischen Rivierastrand gehen zwei junge Frauen schwimmen, die beide aus dem Libanon stammen. So referiert Renate Wiggershaus die Ausgangssituation des Romans von Hanna al-Shaykh, die selbst aus dem Libanon stammt. Beide Frauen verbinden mit dem Schwimmen im Meer Erinnerungen an Wendepunkte in ihrem Leben, deren Beschreibung für die Rezensentin zu den Höhepunkten des "mit melodramatischen Effekten des Kinos, mit Zoom, Zeitlupe und Bildwiederholung arbeitenden Romans" gehören. Wiggershaus stellt fest, dass es auch in diesem Buch der Autorin um die Beziehungen zwischen Generationen und Geschlechtern geht, die durch Gesellschaft, Religion und Politik bedroht werden. Diese typisch arabischen Themen beleuchtet die Autorin aus der Sicht der Frauen und geht, zumindest im vorliegenden Roman, dabei "recht konventionell" vor, wie die Rezensentin bemerkt. Laut Wiggershaus haben die beiden Romanheldinnen bereits den ersten Schritt zur Selbstbefreiung getan, werden aber "dauernd durch des Gefühl irritiert", dass sie "auf einem endlos scheinenden Weg dem Glück nur wenig näher" kommen.
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